Bangladesch: Gesundheitsberaterinnen fördern – Familien stärken

Herausforderungen

Obwohl Bangladesch gute Fortschritte im Gesundheitssektor gemacht hat, sind die Qualität und der Zugang zu Gesundheitseinrichtungen in öffentlichen Krankenhäusern und kommunalen Gesundheitszentren immer noch gering. Menschen auf dem Land und in den großstädtischen Slums haben kaum Zugang zu bezahlbarer Gesundheitsversorgung.

Auch das Basiswissen über Gesundheit und Ernährung ist mangelhaft. Wie viele Schwellenländer ist auch Bangladesch von einer Doppelbelastung durch übertragbare Krankheiten (Tuberkulose, Malaria, HIV) und nicht übertragbare Krankheiten (Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen) betroffen. Mehr als die Hälfte aller schwangeren Frauen entbindet zu Hause, ohne medizinische Betreuung, und weniger als die Hälfte aller schwangeren Frauen nimmt eine Schwangerschaftsbetreuung in Anspruch. 36 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind wegen Mangelernährung unterentwickelt.

Drei Viertel der Bevölkerung leben in ländlichen Gebieten, dennoch konzentriert sich das Gesundheitspersonal auf die städtischen Krankenhäuser und Gesundheitszentren, sodass die ländlichen Gebiete weitgehend unterversorgt sind. Der Hauptgrund für die unzureichende Gesundheitsinfrastruktur ist der Mangel an staatlichen Investitionen und sozialen Sicherungsmechanismen wie Krankenversicherungen. Die meisten Bürger müssen ihre Gesundheitskosten aus der eigenen Tasche zahlen, was dazu führt, dass häufig keine Gesundheitsversorgung in Anspruch genommen wird, da die finanziellen Mittel fehlen. Ein weiterer Aspekt, der zu einem allgemein schlechten Gesundheitszustand führt, ist eine mangelhafte Gesundheitskompetenz. Vor allem in der ländlichen Bevölkerung fehlt es an Wissen über gesunde Ernährung, über Erkrankungen und die damit verbundene Versorgung oder Behandlung. Ein systematischer Aufbau des  Gesundheitswissens führt so zu einem verbesserten Gesundheitsstatus in ländlichen Gemeinden.

Projektziele

Für das Projekt „Gesundheitsberaterinnen fördern zur Stärkung von 40.000 Familien in Bangladesch“ werden 200 Mikrofinanzklientinnen im Distrikt Mymensingh ausgesucht und zu Gesundheitsberaterinnen ausgebildet. Dazu erhalten sie Schulungen zu Gesundheit, Hygiene, Ernährung, medizinischer Vorsorge und Erster Hilfe. Die Gesundheitsberaterinnen sind in den ländlichen Gegenden auf Gemeindeebene tätig und Ansprechpartnerinnen für die Menschen in ihren Dörfern. Dabei arbeiten sie eng mit Paramedizinerinnen und Paramedizinern zusammen, von denen sie fortlaufend ausgebildet, begleitet und beraten werden. Die Paramedizinerinnen und -mediziner haben eine 2- bis 3-jährige medizinische Ausbildung und sind in der Lage, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, und prä- und postnatale Gesundheitsdienstleistungen anzubieten.

Wirkung

200 ausgebildete Gesundheitsberaterinnen geben ihr Wissen zu Gesundheit, Hygiene und Erster Hilfe an die Bevölkerung ihres Dorfes weiter. Bei durchschnittlich fünf Personen pro Familie profitieren so etwa 200.000 Menschen von neuem Gesundheits- und Hygienewissen.

Das Gesundheits- und Hygienebewusstsein der Dorfgemeinschaft wird verbessert, sie können nun Maßnahmen zur Verbesserung der persönlichen und öffentlichen Gesundheit ergreifen. Die Dorfbevölkerung wird weniger krank, spart Ausgaben für Behandlungskosten und kann ihren einkommensfördernden Aktivitäten nachgehen.

Durch die Vernetzung von Gesundheitsdiensten und verbesserte Kommunikation wird der Zugang zu gesundheitlichen Dienstleistungen für Menschen in ländlichen Gegenden erweitert.

Das Projekt stärkt zudem die Rolle der Frauen in den Dörfern. Die Gesundheitsberaterinnen erhalten ein höheres Ansehen, da sie zu Ansprechpartnerinnen für Gesundheits- und Krankheitsthemen werden und somit eine zentrale Rolle in den Dörfern einnehmen.

Aktivitäten

Wir führen das Projekt mit unserer Partnerorganisation BURO Bangladesch durch.

Auswahl und Vorbereitung

Es werden 20 BURO-Mikrofinanzfilialen ausgesucht, die als Anlaufstelle für die medizinische Grundversorgung dienen. Diese Filialen liegen überwiegend in schwer erreichbaren, ländlichen Gegenden. Für die 20 Filialen werden insgesamt zehn Paramedizinerinnen und Paramediziner ausgewählt und eingestellt. Aus den Gemeinden werden insgesamt 200 Frauen für die Ausbildung zur Gesundheitsberaterin ausgewählt, von denen ein großer Teil Mikrofinanzklientinnen von BURO sind. Die Frauen werden aufgrund ihrer Kommunikationsfähigkeit und ihres Interesses an der Ausbildung ausgesucht.

Training von Projektpersonal

In einem 5-tägigen Workshop wird das Projektpersonal (Projektmitarbeitende, paramedizinische Angestellte) geschult. Das Projektpersonal erhält eine ausführliche Erläuterung über den Ablauf des Projektes, Lerninhalte der Schulungen und die einzelnen Rollen und Aufgaben.

Ausbildung von 200 Frauen zu Gesundheitsberaterinnen

In einem 5-tägigen Training werden die Frauen zunächst von Ärztinnen und Ärzten sowie medizinischem Personal zu Themen wie allgemeine Gesundheit, Ernährung, Hygiene, Erste Hilfe geschult und über Angebote von lokalen medizinischen Gesundheitseinrichtungen im Distrikt informiert. Im Verlauf des Projektes arbeiten die Gesundheitsberaterinnen eng mit dem paramedizinischen Team zusammen und erhalten weitere praxisnahe Schulungen und „Training on the Job“. Eine paramedizinische Mitarbeiterin bzw. ein Mitarbeiter betreut jeweils 20 Gesundheitsberaterinnen.

Aufbau von 20 Gesundheitsfilialen

Die ausgewählten 20 Mikrofinanzfilialen befinden sich in sehr abgelegenen Regionen, mit eingeschränktem Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen. Diese Filialen dienen der Bevölkerung als erste Anlaufstellen für Gesundheitsversorgung. Das paramedizinische Team bietet dort grundlegende präventive und behandelnde Gesundheitsdienste an. Die Gesundheitsberaterinnen arbeiten abwechselnd mit dem paramedizinischen Personal in den Filialen zusammen, um ihr erlerntes Wissen zu vertiefen und dieses praktisch anzuwenden.

Gesundheitsschulungen in den Dörfern

Die Gesundheitsberaterinnen teilen ihr Wissen über gesundes Verhalten, Hygiene und Ernährung durch Schulungen innerhalb ihrer Dörfer. Sie geben Informationen zu Themen wie Mutter-Kind-Gesundheit, Familienplanung, Prävention von Krankheiten, Kontrolle von akuten und chronischen Krankheiten an ihre Dorfgemeinschaft weiter. Die Teilnehmenden der Gesundheitsschulungen geben ihr erlerntes Wissen wiederum an ihre Familienmitglieder weiter. So wird ein Gesundheitsbewusstsein innerhalb der Gemeinde gefördert.