DIE HERAUSFORDERUNGEN
Kolumbien hat mehr als 50 Mio. Einwohner*innen und zählt heute zu den Staaten mit mittlerem Einkommen. Gleichzeitig gehört es zu den Ländern mit der größten Ungleichheit weltweit. Vom wirtschaftlichen Fortschritt profitiert nur ein Teil der Bevölkerung. In Cartagena de Indias, einer Hafen- und Tourismusstadt mit mehr als einer Million Einwohner*innen, lebt rund ein Drittel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Fast die Hälfte der Erwerbstätigen arbeitet im informellen Sektor. Solche Tätigkeiten bringen meist unregelmäßige Einkommen und kaum soziale Absicherung. Viele Haushalte sind auf Gelegenheitsarbeiten oder Kleinsthandel angewiesen. Für Familien in extremer Armut kann schon eine einzige Krise die ohnehin fragile Lebenssituation dramatisch verschärfen, denn Rücklagen fehlen, und oft reicht das Geld nicht, um ein kleines Unternehmen aufzubauen. Auch die Wohnverhältnisse sind betroffen. Manche Familien leben in Unterkünften mit unzureichenden Baumaterialien, besonders in den ärmeren Randbezirken ist der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen und wirtschaftlichen Chancen eingeschränkt. Unsichere Arbeit, unzureichende Wohnverhältnisse und fehlende Rücklagen verstärken sich dabei gegenseitig.
DER ANSATZ
Das Starthilfe-Programm (im Original „Camino de Oportunidades“, „Weg der Möglichkeiten“) begleitet extrem arme Familien über die gesamte Projektlaufzeit und fördert sie in mehreren Lebensbereichen gleichzeitig. Das Ziel ist die sogenannte Graduierung, der dauerhafte Ausstieg aus extremer Armut. Entwickelt wurde der Ansatz von BRAC in Bangladesch. Opportunity International Colombia setzt ihn seit 2022 in Cartagena und weiteren Städten der Karibikregion um.
Die Bilanz bisher: Über drei Durchgänge wurden mehr als 1.000 Familien begleitet. Im ersten und zweiten Durchgang haben 655 von 750 Familien die Graduierung geschafft.
Das Programm begleitet Familien in extremer Armut, darunter viele alleinerziehende Mütter. Am Ende des Programms sollen die Familien:
- sich dreimal täglich ausreichend ernähren können,
- ein Einkommen oberhalb der Armutsgrenze erzielen,
- Ersparnisse aufgebaut haben,
- am Gemeinschaftsleben teilnehmen und Zugang zur Gesundheitsversorgung haben,
- ihren Kindern den Schulbesuch ermöglichen und in besseren Wohnverhältnissen leben.
DER WEG DORTHIN
Sicherung der Grundbedürfnisse
Zu Beginn ermittelt das Team die Bedürfnisse und Hindernisse jeder Familie. Finanzielle Unterstützung, etwa für Lebensmittel, schafft Zeit und Kraft für die nächsten Schritte. Die Familien werden an staatliche Stellen und Partnerorganisationen vermittelt.
Soziale Stärkung und persönliche Entwicklung
In Workshops nach dem Lehrplan „Caminos al Bienestar“ („Wege zum Wohlbefinden“) lernen die Teilnehmenden, sich Ziele zu setzen, Entscheidungen zu treffen und mit Rückschlägen umzugehen. Ein Mentor*innen-Team besucht jede Familie monatlich zu Hause, unterstützt bei der Lebensplanung und bietet psychosoziale Begleitung.
Aufbau eines eigenen Einkommens
Fachschulungen und unternehmerische Beratung führen zu einem eigenen Geschäftsplan. Nach dessen Genehmigung gibt es Startkapital für ein kleines Geschäft. Wer eine Anstellung anstrebt, wird gezielt unterstützt. Am Ende steht mindestens eine regelmäßige Einkommensquelle.
Sparen und Zugang zu Finanzdienstleistungen
Früh gründen die Teilnehmenden gemeinsame Spargruppen, legen regelmäßig Geld zurück und können bei Bedarf kleine Darlehen aufnehmen. Finanzbildung hilft beim Planen, ein digitales Bankkonto öffnet den Zugang zum formellen Finanzsystem.