HERAUSFORDERUNGEN
Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt: Mehr als 75 Prozent der Bevölkerung leben von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag. Rund 80 Prozent der Menschen leben von kleinbäuerlicher Landwirtschaft – auf Familienbetrieben, die oft kaum mehr als einen Hektar umfassen. Dabei sind die Erträge auf den Feldern des Hochlands seit Jahren rückläufig. Jahrzehntelange Abholzung hat zu einer massiven Bodenerosion geführt: Fruchtbare Erde wird von den Hängen gespült, zurück bleibt nährstoffarmer Lateritboden. Madagaskar konnte in den 1970er Jahren noch Reis exportieren – heute reicht die Produktion nicht mehr zur Selbstversorgung des Landes.
Im madagassischen Hochland rund um die Hauptstadt Antananarivo bauen die meisten Familien an, was sie selbst zum Überleben brauchen – vor allem Reis, Maniok und Bohnen. Doch selbst das gelingt nicht immer: Viele Familien kommen mit ihrer Ernte nicht durch das ganze Jahr und müssen in den Monaten vor der nächsten Ernte die Mahlzeiten rationieren. Bargeld kommt nur sporadisch ins Haus. Für Schulgebühren, Medikamente oder die Instandhaltung des Hauses reicht es oft nicht. Manche Familien verkaufen ihre Reisernte, noch bevor sie reif ist – um kurzfristig an Bargeld zu kommen, zu niedrigen Preisen. Der finanzielle Spielraum, um in eine bessere Zukunft zu investieren oder einen unvorhergesehenen Rückschlag abzufedern, fehlt vielen Familien.
Dazu kommt: Viele Kleinbäuer*innen wirtschaften mit traditionellen Methoden, die wenig Ertrag bringen. Wer einen Überschuss produziert, hat oft keinen guten Weg zum Markt: Straßen fehlen, Käufer sind weit entfernt, und wer alleine verkauft, hat wenig Verhandlungsmacht. Und selbst wer investieren möchte, findet kaum Zugang zu Krediten: Banken haben im ländlichen Raum kaum Filialen und wenig Erfahrung mit kleinbäuerlichen Betrieben. So bleibt das Potenzial vieler Familien weitgehend ungenutzt.
DIE METHODE
Unser Projekt setzt an zwei Stellen gleichzeitig an: bei den Kleinbäuer*innen selbst – und bei den Banken, die sie bisher kaum erreichen.
Wissen, das wirklich ankommt
Wir bilden 80 erfahrene Bäuer*innen aus den Zielgemeinden zu sogenannten Farmer Support Agents (FSAs) aus. Sie stammen aus der Region, kennen die lokale Landwirtschaft aus eigener Erfahrung und sprechen die Sprache ihrer Gemeinschaft. In diesem Projekt werden sie geschult und begleiten anschließend andere Familienbetriebe: bei Anbaumethoden, Vermarktung und einfacher Betriebsführung – auf Demonstrationsparzellen, mit Lernvideos und in persönlichen Gesprächen.
Partnerbanken als Brücke in den ländlichen Raum
Gleichzeitig arbeiten wir mit zwei lokalen Partnerbanken – Access Bank Madagascar und Baobab Finance – zusammen. Wir helfen ihnen, Kreditprodukte zu entwickeln, die wirklich zur Realität kleinbäuerlicher Betriebe passen – zum Beispiel mit Rückzahlungsfristen, die den Ernterhythmus berücksichtigen. Ein eigens eingesetzter Agrarportfoliomanager verankert den Ansatz dauerhaft im Bankbetrieb.
PROJEKTZIELE
Mindestens 12.000 kleinbäuerliche Haushalte in ländlichen Gemeinden nördlich von Antananarivo sollen durch das Projekt:
- bessere Anbau- und Vermarktungsmethoden kennenlernen und anwenden
- betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse entwickeln, um ihre Familienbetriebe besser zu führen
- Zugang zu Finanzdienstleistungen erhalten, die zu ihrer Lebenssituation passen
Das langfristige Ziel: stabilere Einkommen, mehr Ernährungssicherheit – und ein Modell, das nach erfolgreicher Pilotierung auf weitere Regionen Madagaskars übertragen werden kann.
AKTIVITÄTEN
Aufbau eines Farmer-Support-Agent-Netzwerks: 80 lokal verwurzelte Bäuer*innen werden zu FSAs ausgebildet. Sie schulen und begleiten Familienbetriebe zu nachhaltigen Anbaumethoden, Vermarktung und Betriebsführung – und sind das Bindeglied zwischen den Haushalten und den Partnerbanken.
Institutionelle Stärkung der Partnerbanken: Opportunity International berät Access Bank Madagascar und Baobab Finance bei der Entwicklung passender Kreditprodukte und beim professionellen Management ihres Agrarportfolios.
Finanzbildung und betriebswirtschaftliches Wissen: Die FSAs vermitteln den Haushalten Grundkenntnisse über Finanzplanung, Bankprodukte und unternehmerisches Handeln.
Stärkung von Frauen: Das Projekt bindet Frauen von Beginn an gezielt ein – als Farmer Support Agents und als Nutzerinnen von Finanzdienstleistungen. Alle Projektmitarbeitenden werden darin geschult, Frauen aktiv anzusprechen und zu fördern.