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Stiftungsgründer Karl Schock erzählt von den Anfängen

Karl Schock"Warum haben wir, eine kleine Gruppe christlicher Unternehmer aus Schorndorf, 1996 die deutsche Gruppe von Opportunity International gegründet?
Wir wollten etwas machen, was besonders arme Menschen herausfordert, ihre persönlichen Begabungen zum Aufbau einer eigenen Existenz und ihres Landes einzusetzen. Das Konzept des micro enterprise development (MED), das auf die Fähigkeit und den Unternehmergeist der Betroffenen setzt, überzeugte uns.

Aus Abhängigkeit wird Selbstvertrauen, aus Entrechtung wird Menschenwürde. Bislang Chancenlosen wird eine echte Chance gegeben, damit sie sich aus eigener Kraft aus dem Elend befreien können. Das sprach uns als engagierte Unternehmer besonders an.

Unser tiefstes Motiv jedoch war die christliche Verantwortung, mit den Armen zu teilen, nach dem Jesuswort (Luk.3,11): "Wer zwei Röcke hat, gebe dem einen, der keinen hat".

Wir fühlten die dringende Not der Armut in der Welt, waren wir doch alle viel in diesen Ländern gereist und machten auch Geschäfte mit ihnen. Wir sahen die Chancen, die diese fleißigen und hochbegabten Menschen haben, wenn man ihnen nicht nur "hand-outs", d.h. Almosen, sondern echte "hand-ups", d.h. Hilfen zur Selbsthilfe gibt.

Unser Großvater Gottlieb Schock war in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts selber ein micro entrepreuneur, der mit seinem zweirädrigen Karren mit einer Hobelbank drauf im Schwäbischen Wald von Bauernhof zu Bauernhof zog, um den Bauerntöchtern ihre Aussteuer zu machen. Kleinkredite halfen ihm, sich in Schorndorf, dem Geburtsort Gottlieb Daimlers, 1874 eine eigene Bau- und Möbelschreinerei aufzubauen.

Später ermöglichte finanzielle Hilfe von englischen Geschäftsfreunden unserem Vater und seinen beiden Brüdern in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts nach tiefer wirtschaftlicher Depression das in Insolvenz geratene Familienunternehmen wieder neu zu einem großen Industrieunternehmen aufzubauen.
Wir sind froh darüber, dass wir in guten Zeiten einen Teil unseres industriellen Vermögens in Opportunity International Deutschland als Stiftungsgrundstock eingebracht haben. Heute könnten wir es nicht mehr.

Als vor 4 Jahren unser damals 77 Jahre altes Familienunternehmen aufgrund einer Finanzkrise in andere Hände ging, fragten mich unbedarfte Leute: „Herr Schock haben Sie vielleicht zuviel den Armen gegeben, dass Sie jetzt nichts mehr selber haben“? Meine Antwort war: "Nein, vielleicht zu wenig."

Sollen wir Deutschen jetzt zukünftig nicht mehr an Arme in der Welt, sondern nur noch an uns selber denken? Nein, und nochmals nein. Wir müssen hierzulande lernen, dass es in einer ständig mehr zusammenrückenden Welt unmöglich ist, dass ein kleiner Menschheitsteil im Wohlstand leben kann, während der größere Teil noch weit unter dem Existenzniveau zurückbleibt. Machen wir es nicht freiwillig, wird es uns, wie wir jetzt schmerzlich erleben, aufgezwungen.

Keine Frage, wir brauchen eine starke eigene Wirtschaft, nur so können wir auch anderen auf die Beine helfen. Aber wir brauchen auch eine größere Verantwortung für die weniger entwickelte Welt, damit auch unsere Zukunft sicherer wird.

Es geht also bei der Jesuanischen Herausforderung des Teilens mit den Armen letztlich um unsere höchst eigene Zukunftssicherung. Lassen sie uns deshalb intelligent und mit warmen Herzen zukünftig noch mehr mit den Armen teilen."

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