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Klientengeschichten aus der Dominikanischen Republik

Felicita Ortiz

Unsere Kreditnehmerinnen in den Slums von Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik, sind fest entschlossen, sich mit Hilfe eines Kleinkredits von Opportunity International aus der Armut heraus zu arbeiten.

Und sie arbeiten hart, nicht nur für sich selber, sondern auch für Familienangehörige und andere Menschen. Viele von ihnen engagieren sich für gemeinnützige Arbeit: Sie gründen Schulen und Waisenheime. Denn den Kindern soll es einmal besser gehen. 

Lesen Sie hier ihre Geschichten:

 

Melania gibt Straßenkindern ein Zuhause

Melania

Melania mit ihren Schützlingen Juana Rosa und Moses

Melania (42) lebt in den Slums von Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik. Sie selber hat keine Familie und doch sorgt sie im Moment für 22 Kinder. Denn Melania hat es sich zur Aufgabe gemacht, Waisen und Straßenkindern ein Zuhause zu geben.

Seit 1985 hat sie bereits rund 200 Kindern im Alter von 2 bis 16 Jahren einen Zufluchtsort geboten. Viele Eltern geben Kinder dort hin, weil sie zu krank oder zu arm sind, um für sie aufzukommen.

Auch verlassene Kinder, die auf der Straße leben, finden bei ihr ein neues Zuhause. Viele Mütter und Väter in den Slums sind alkohol- oder drogenabhängig; die Kinder leiden unter Gewalt und Missbrauch. Deswegen sind die meisten auch schwer traumatisiert und bedürfen der besonderen Zuwendung.

Da ist zum Beispiel der schüchterne Moses (8): Seine Mutter war AIDS-krank und starb bei der Geburt. Er wurde 20 Tage später von seinem Vater bei Melania abgegeben. Moses sah seinen Vater nie wieder.

Oder die verspielte Juana Rosa (11): Ihre Mutter lebte in einem Auffanglager für Flüchtlinge aus Haiti. Juana Rosa war in einem sehr schlechten Zustand als sie mit 8 Monaten im „Waisenhaus“ abgegeben wurde, denn ihre Mutter konnte im Flüchtlingslager nicht ordentlich für sie sorgen. Ihre Mutter lebt immer noch dort.

Bereits mit 18 Jahren war Melania sich ihrer Berufung sicher: „Damals habe ich miterlebt, wie ein todkrankes Mädchen zum Sterben vom Krankenhaus nach Hause gebracht werden musste. Das Mädchen war in einem sehr schlechten Zustand und wurde von seinen Eltern aufgegeben.“ Sie und ihre Verwandten nahmen das Mädchen bei sich auf, sie beteten für sie und gaben ihr Öl zu trinken. Allmählich ging es dem Kind besser und sie wurde tatsächlich gesund.

„Ich habe erfahren, wie ich Menschen helfen kann. Das war der Startpunkt meiner Arbeit; diese Motivation trägt mich bis heute“, erzählt Melania mit leuchtenden Augen. „Dies ist meine Familie. Auch wenn es manchmal hart ist - ich bereue meinen Entschluss keine Sekunde!“

Melanias Schuetzlinge

 Melanias Schützlinge

Melania bringt den Kindern im Nachmittags-Unterricht Manieren und Verantwortungsbewusstsein bei. Der Pastor ihrer Gemeinde und frühere Schützlinge helfen ihr bei ihren vielfältigen Aufgaben.

Vor 10 Jahren bekam Melania den ersten Kredit von Opportunity International. Sie errichtete mit dem Geld einen kleinen Kiosk, wo sie und ihre Helferinnen Lebensmittel und Süßigkeiten verkaufen. Außerdem hat sie noch einen kleinen Laden für den Verkauf von Gebrauchtwaren. Seitdem hat Melania bereits sechs Kreditzyklen durchlaufen. Mit dem Geld hat sie ihre Geschäfte vergrößert und mit dem Gewinn daraus mehr Räume für die Kinder dazugemietet.

Melania hat noch einen Traum: Sie möchte gern ein weiteres Gebäude anmieten, denn sie braucht mehr Platz für ihre Schützlinge: „Es gibt noch so viel zu tun! Viele Kinder werden einfach verlassen oder laufen von ihren gewalttätigen Eltern weg. Auf der Straße sehen sie oftmals keinen anderen Ausweg als Kriminalität oder Prostitution. Jemand muss ihnen helfen!“

Santa Margarita: "Ich möchte nützlich für die Gesellschaft sein!"

Santa Margarita

 Santa Margarita mit ihren Schülern

Santa Margarita gründete vor zehn Jahren ihre Schule, damals noch in einem alten Hühnerstall. Es gab nur einen einzigen Klassenraum, in dem nicht alle Schüler Platz hatten.

In den ersten zwei Jahren hatte sie nicht genug Geld, ein richtiges Gebäude aus Holz zu bauen und eine ordentliche Einrichtung anzuschaffen. Dies wurde ihr erst durch einen Kleinkredit von Opportunity International ermöglicht. Seitdem hat Santa Margarita mehrere Kreditzyklen durchlaufen und die Schule ist immer weiter gewachsen. Mittlerweile sind bei ihr sechs Lehrer tätig.

Privat gegründete Schulen sind in den Slums sehr wichtig. Selbst wenn es am Nötigsten fehlt, wollen viele arme Eltern ihren Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen. Deswegen schicken sie sie lieber auf eine private Schule, denn dort ist die Betreuung besser. Außerdem ist der Schulweg meistens nicht so weit.
Die staatlichen Schulen sind für die Kinder kostenlos, aber es muss eine teure einheitliche Schulkleidung gekauft werden.

Schueler

Die Gebühren für ihre Schule sind gestaffelt. Sie betragen zwischen 3 und 8 Euro im Monat, je nachdem wie viel eine Familie zahlen kann. Besonders arme Familien zahlen meist gar keine Schulgeld. Gelehrt werden hier die üblichen Fächer: Rechnen, Lesen, Schreiben, Spanisch, Englisch, Kunst und Religion.

Santa Margarita erzählt: „Mittlerweile kommen nun sogar Schüler aus regulären Schulen zu mir, denn der Unterricht ist besser organisiert. Das Problem bei den staatlichen Schulen ist, dass etwa 50-60 Kinder in eine Klasse zusammengefasst werden. Deswegen werden sie nicht gut betreut.“ Bei Santa Margarita werden auch Kinder im Vorschulalter betreut; so können ihre Eltern beruhigt ihrer Arbeit nachgehen.

Santa Margarita hat noch einen weiteren Traum: Sie möchte ihre Räumlichkeiten erweitern, um noch anderen Kindern Platz zu bieten. Außerdem möchte sie einen speziellen Fond für Kinder besonders armer Eltern gründen, um so auch ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen.
 

 Angela Maria (27): „Meine Schule ist auch ein Familienunternehmen!“

Angela Maria
Angela Maria mit ihrem Neffen Felipe und ihrer Mutter Segunda vor deren Kiosk

Angela Maria startete ihre private Schule in den Slums von Santo Domingo 1997 mit 25 Kindern. Mittlerweile arbeiten bei ihr 9 qualifizierte Lehrer, die 162 Schüler betreuen.

Von ihrem ersten Kleinkredit von Opportunity International über 40 Euro hat Angela Maria erste Tafeln und Stühle gekauft. Mit weiteren Kleinkrediten konnte sie ihre aus Holz und Wellblech gebaute Schule kontinuierlich vergrößern.

Das Schulgeld beträgt umgerechnet 7 Euro im Monat. Viele zahlen aber auch weniger oder in Raten. "Etwa ein Drittel der Kinder zahlen gar keine Gebühren, weil ihre Eltern zu arm sind. Ich möchte auch ihnen eine Schulbildung ermöglichen", erzählt Angela Maria. 

Auch Angelas Mutter Segunda hat Opportunity International mit einem Kleinkredit zu einer Tätigkeit verholfen. Sie hat bei der Schule einen kleinen Kiosk eröffnet, in dem sie Snacks und Süßigkeiten für die Kinder verkauft. Angela Maria freut sich: „Meine Schule ist auch ein Familienunternehmen!“ 

Aguasanta arbeitet für die Zukunft ihrer Söhne

Aguasanta
Aguasanta und ihr Mann zeigen stolz die Bilder ihrer Söhne Luis und Jonathan beim College-Abschluss

Aguasanta Martinez ist 50 Jahre und hat fünf Kinder. Ihr Mann ist schon lange arbeitslos. Er sucht täglich auf den Straßen in Santo Domingo nach Gelegenheitsarbeiten. Manchmal findet er einen Job, der etwas Geld bringt, zum Beispiel kleinere Reparaturarbeiten und allgemeine Hilfsdienste. Meistens kommt er aber am Abend ohne Geld nach Hause.

Aguasantas Näherei
 Aguasantas Näherei

Aguasantas kleines Unternehmen hingegen läuft erfolgreich. Sie ist schon seit einigen Jahren im Mikrofinanzierungsprogramm von Opportunity International. Aguasanta näht Decken, Kissen und Bettauflagen.
Sie hat ein kleines Zimmer in ihrem Haus, wo sie Material lagert. So kann sie auch schnell auf Anfragen reagieren und größere Bestellungen bearbeiten.

Und Aguasanta arbeitet hart, um ihren Söhnen den Besuch eines Colleges finanzieren zu können. „Unser Jüngster startet gerade mit einem Englischkurs“, erzählt Aguasanta begeistert. „Unsere Kinder sollen es einmal besser haben als ihre Eltern!“ 

Aguasantas Lager
Hier soll ein Lagerraum für Aguasantas Textilien entstehen

Aguasanta arbeitet für die Zukunft ihrer Söhne. Der Schlüssel hierfür ist ein erfolgreiches Geschäft. Deswegen möchte sie ihre Näherei noch weiter vergrößern.
Nebenan starteten sie und ihr Mann den Bau eines einfachen Steinhauses, das sie als Materiallager nutzen wollen, ums so ihr Sortiment zu erweitern. Sie mussten den Bau jedoch zwischendurch immer wieder stoppen, weil nicht genug Geld da ist.

Doch Aguasanta ist sich sicher: „Mit einem weiteren Kleinkredit von Opportunity International werden wir es schaffen!“

Die Geschichte von Fleury de la Cruz

Fleury de la Cruz

Fleury de la Cruz bei der Arbeit

Fleury de la Cruz ist Kunstgewerbehandwerker. Er fertigt hochwertigen Schmuck an und ist im ganzen Stadtviertel bekannt. Doch Fleury war dabei unglücklich.

Er war zwar ein Lehrer für andere, verdiente aber selber nicht genug Geld zum Leben. Er erzählt: „Ich will nicht wie viele andere die Touristen betrügen! Ich benutze nur hochwertiges Material und verkaufe den Schmuck zu niedrigen Preisen.“ So war Fleury zwar hoch geachtet, blieb jedoch selber immer arm.

Fleury hörte über die ICC-Kirche vom Mikrofinanzierungsprogramm von Opportunity International. Er wollte unbedingt am Programm teilnehmen, um seine finanzielle Lage zu verbessern und wieder einen Sinn in seinem Leben zu finden.

Lehrling

Ein Lehrling von Fleury bei der Arbeit

Zum Glück ergab sich gerade eine Kooperation mit Bright Hope, einer karitativen Organisation in den USA. Dieses Projekt gestaltet sich folgendermaßen: Bright Hope stellt das Material zur Verfügung. Die Kunsthandwerker der Gemeinde bekommen einen Kleinkredit zum Ankauf des Materials und bearbeiten es unter der Anleitung von Fleury. Dann kauft Bright Hope die fertigen Schmuckstücke zurück.

Fleury ist begeistert: „Endlich habe ich wieder eine Aufgabe im Leben: Ich kann jungen Menschen das Kunsthandwerk beibringen! Und dabei verdiene ich dank Opportunity International nun auch endlich etwas Geld!“

 

 

 

 

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