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Interview mit neuem Opportunity-Schirmherrn

Dr. Karl HarmsWir freuen uns, dass wir Dr. Karl Harms als neuen Opportunity-Schirmherrn gewinnen konnten. Er ist Geschäftsführender Gesellschafter der "certus Warensicherungs-systeme GmbH" in Jever und Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Oldenburg.
Dr. Karl Harms ist Gründungsmitglied des "Weser/Ems Opportunity-Freundeskreises" und hat das Projekt vor einigen Wochen in Ghana besucht. Lesen Sie hier unser Interview:

Opportunity International: Die Entwicklungshilfe steckt in einer tiefen Legitimationskrise. Sie waren vor einigen Wochen selber in Ghana unterwegs - welchen Eindruck konnten Sie mitnehmen?

Dr. Harms: Es ist in der Tat so, dass die klassische Entwicklungshilfe durch Übertragung von Finanzmitteln an häufig nicht mal geprüfte Regierungsstellen sicher gegen die Wand gefahren ist. Eine Neu-Organisation der Entwicklungshilfe ist auf jeden Fall überfällig. Mikrofinanzierung kann hierbei sicher ein wichtiger Aspekt sein, vor allen Dingen - so habe ich das in Ghana erlebt - für den Aufbau landwirtschaftlicher Kleinbetriebe, kleiner Fischerei-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe. All diese Unternehmen bekommen vor Ort kein Kapital, benötigen das aber, um solche Betriebe aufzubauen.

Opportunity International: Neben diesen Kleinunternehmen, die durch Mikrofinanzierung aufgebaut werden können - was müsste aus Ihrer Sicht in einem Land wie Ghana passieren?

Dr. Harms: Als wichtiges Feld sehe ich den Aufbau eines besseren Bildungswesens. Wir haben kleine und kleinste Schulen gesehen - sowohl in privater als auch in staatlicher Trägerschaft - aber das ist natürlich von einem Niveau, von dem aus weltweit wettbewerbsfähige Arbeitsplätze entstehen können, noch weit entfernt. Da muss und soll mehr passieren.
Bildung ist der Schlüssel für die Zukunft. Ganz praktisch haben wir erlebt, wie schlecht zum Teil die Abläufe in Unternehmen organisiert sind: Eine Rechnung in einem Hotel zu bezahlen kann manchmal Stunden dauern, weil die Daten- und Informationstechnik nicht funktioniert. Auch die Verkehrs-Infrastruktur muss weiter ausgebaut werden. Und dann bietet sich natürlich auch der Tourismus an: Afrika hat wunderschöne Länder, eine wunderschöne Natur - da könnte man sehr viel entwickeln.

Opportunity International: Herr Harms, Sie als Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Oldenburg haben in Ihrem Umfeld sehr viel mit Unternehmern zu tun. Afrika gilt ja nicht als Investitionsstandort - was können Sie Ihren Kollegen aus dem Kammerbezirk an Botschaften mitgeben?

Dr. Harms: Es ist eine große Herausforderung für ein mittelständisches deutsches Unternehmen, dort zu investieren, zumal man sehr stark sektoral vorgehen muss. Wir haben ja Einiges im Bereich Fischereiwesen gesehen - da, glaube ich, kann man relativ schnell sinnvoll investieren. Das Gleiche gilt für den Bereich Landwirtschaft. Und auch im Bereich Tourismus würde ich heimische Unternehmen motivieren, frühzeitig tätig zu werden. Im Bereich Industrie ist der Weg sicherlich noch lang, da wäre sicher eher noch Zurückhaltung angebracht.

Opportunity International: Afrika gilt ja als unsicherer Kontinent - wie haben Sie Ghana erlebt?

Dr. Harms: Unglaublich gut. Das habe ich bisher in anderen Ländern Afrikas nicht so ausgeprägt gesehen. Ich habe mich noch nie so sicher gefühlt wie in Ghana. Mein Eindruck war, dass die Gesellschaft dort intakt ist und sich gut entwickelt.

Opportunity International: Sie waren ja mit dem „Freundeskreis Weser/Ems" unterwegs - wie haben Sie die Kleinkreditunternehmer erlebt?

Dr. Harms: Was mich beeindruckt hat ist, wie im Vorfeld der Vergabe eines Kredites mit den Kreditnehmern gearbeitet wurde. In einem Dorf waren wir Zeuge, wie das Auswahlverfahren abläuft.
Entscheidend ist ja, dass die richtigen Leute Kredite bekommen und dann auch erfolgreiche Unternehmer werden. Von 168 Interessenten sind 65 ausgesucht worden. Diese Zahl macht deutlich, mit welcher Sorgfalt da gearbeitet wird, und dass es nicht darum geht, irgendwohin Geld zu pumpen, sondern dass man wirklich die Leute fördern möchte, die dann belastbare Unternehmen aufbauen.
Ich habe die Unternehmer als äußert realistisch erlebt: Wir trafen dort einen Mann, der einfache Boote baute, und der uns genau vorrechnen konnte, dass er für ein Boot fünf Arbeitstage braucht, dass der Kredit einige Tage reicht, und wie genau sich der Ablauf in seinem Unternehmen darstellt. Das war eben sehr realistisch und die Leute waren einfach gut drauf.

Opportunity International: Häufig wird gefragt, ob die Vergabe von Krediten auch mit Zinsen verbunden ist, und wir nehmen ja in Ghana auch Zinsen. Wie wirkt sich das aus? Ist das überhaupt vertretbar?

Dr. Harms: Aus meiner Sicht sind Zinsen dringend notwendig, sonst funktioniert das System nicht. Die Zinsen erwirtschaften auch die Kosten, die mit der Vergabe der Kredite entstehen. Mir scheint die geforderte Zinshöhe gut zu sein, denn sonst würden nicht weiter zu diesen Zinsen die Kredite nachgefragt werden. Fast überall, wo wir hinkamen, wurde uns von den Kreditnehmern im Gespräch mitgeteilt, dass Sie lieber höhere Kredite hätten - es ging also nicht um die Höhe der Zinsen, sondern um die Höhe der Kredite. Das Zurverfügungstellen von Kapital ist der entscheidende Punkt.

Opportunity International: Wir haben in Ghana ja auch viele Kreditnehmer, die eine Schule oder einen Kindergarten betreiben - ist das nicht eine staatliche Aufgabe?

 Kindergarten in Ghana
Kindergarten einer Kreditnehmerin in Ghana 

Dr. Harms: Das, was ich dort gesehen habe, hat mich überzeugt. Wir besuchten einen Kindergarten, in dem 78 Kinder betreut wurden, und das funktioniert ausgezeichnet.
Da war so ein doppelter Effekt: Auf der einen Seite hatte die Frau ein Unternehmen gegründet und gleichzeitig den Bildungsnotstand in ihrer Gegend bekämpft. Was ich mir darüber hinaus noch vorstellen kann, ist, dass man vielleicht größere Schulen - eine Schule in Ghana kostet rund 40.000,- Euro - aus Spenden baut und das Betreiben der Schule dann den Kleinunternehmern überlässt. Weil 40.000,- Euro natürlich eine Summe ist, die viele nicht aufbringen können. Praktisch hieße das, es gäbe zwei Firmen: Eine Besitzfirma und eine Betriebsfirma. Solche Modelle scheinen mir zukunftsträchtig.

Opportunity International: Wie geht das Projekt „Weser/Ems" jetzt weiter?

Dr. Harms: Unser Ziel ist es, bis Ende des Jahres 100.000,- Euro für unsere Region dort zu sammeln. Für uns soll die Sache weitergehen. Im übernächsten Jahr werden wir sicherlich wieder dort hin fahren und schauen, was mit unseren Investitionen passiert ist.

Opportunity International: Herzlichen Dank für das Gespräch!

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