Viele Jahrzehnte lang war das Vorgehen in der Entwicklungshilfe einfach: man sendete Nahrungsmittel, Kleidung und Medizin. Jahrelang versuchten Regierungen und mildtätige Organisationen auf diese Weise, gegen weltweiten Hunger und Armut anzukämpfen.
In
den letzten dreieinhalb Jahrzehnten revolutionierte jedoch ein ganz
neuer Ansatz dieses traditionelle Denken. Die Idee dahinter war, dass
Menschen, die vielleicht arm in finanzieller Hinsicht sind, noch lange
nicht arm im Hinblick auf ihre Persönlichkeit, was Einfallsreichtum und
Verantwortungsgefühl angeht, sein müssen.
Dieser neue Ansatz kommt dem
Hunger auf dieser Welt mit der persönlichen Würde und dem Tatendrang
des Einzelnen bei. Die neue Entwicklung nennt sich Mikrofinanzierung,
und sie begann vor 35 Jahren, bevor es diesen Begriff überhaupt gab.
1971 wurden der Amerikaner Al Whittaker und eine Gruppe von weiteren
christlichen Geschäftsleuten auf das Notleiden der Armen in
Lateinamerika aufmerksam. Sie folgten dem Ruf von Jesus Christus, den
Armen zu dienen, aber in einer Art und Weise, die von ihrer
Unternehmererfahrung geprägt war.
Also fingen sie mit einfacher
Marktforschung an. Auf ihre Frage an die Armen „Was braucht ihr?“
bekamen sie die einhellige Antwort: „Wir brauchen Arbeit, damit wir
unsere Familien ernähren können. Ein bescheidenes Einkommen würde
unsere Probleme lösen.“
In einem ganz anderen Teil der Erde, in Sydney, Australien, gründete der Geschäftsmann David Bussau den „Marantha Trust“ aus derselben Idee heraus. Während seiner Tätigkeit in Indonesien sah Bussau, dass der traditionelle Ansatz die Menschen in die Armutsfalle führte. Seine Lösung des Problems war, ihnen einen Kleinkredit zu gewähren, um ihnen aus ihrer Notlage herauszuhelfen.
Beide Unternehmer erkannten unabhängig voneinander das enorme unternehmerische Potential der Armen. Die Menschen waren imstande, sehr hart an allen möglichen kleinen Unternehmungen zu arbeiten um zu überleben; trotzdem blieben sie genauso arm wie ihre Eltern es gewesen waren – ein Schicksal, das auch ihre Kinder teilen würden.
Harte Arbeit bei äußerst geringer Ausbeute ist aber nur ein unternehmerisches Problem, kein grundsätzlicher Charaktermangel. Ohne Zugang zu einem fairen Kredit landeten diese Kleinunternehmer bei Kredithaien, die sie durch ihre überzogenen Zinsen in der Armut hielten. Opportunity International wurde aus der Idee heraus geboren, unternehmerisch tätigen, armen Menschen einen Kredit zu gewähren, um ihr kleines Geschäft zu stärken oder eine Geschäftsidee umzusetzen.
Die allgemein übliche Meinung
war, dass die Armen einen Kredit nicht würden zurückzahlen können.
Opportunity Internationals visionäre Gründer vertraten aufgrund ihres
Glaubens und ihrer eigenen Erfahrung allerdings eine andere Ansicht.
Sie begannen, armen Menschen Kleinstkredite zu den marktüblichen Zinsen
zu gewähren, um sie damit in die Lage zu versetzen, ihr schon
bestehendes kleines Geschäft entweder zu erweitern oder eine
Geschäftsidee umzusetzen.
Die daraus entstehenden Rückzahlungsquoten
etablierten einen neuen Grundsatz in der Entwicklungshilfe:
Kleinkreditvergabe an arme Menschen beinhalten ein geringes Risiko; mit
einem angemessenen Einkommen sind sie durchaus in der Lage, ihre
Probleme selbst zu lösen.
In den spätern 70ern schlossen sich David Bussau und Al Whittaker unter dem Banner Opportunity International zusammen; so entstand aus zwei regionalen Bemühungen eine internationale Bewegung. In den folgenden Jahren wurde damit Hunderttausenden von Menschen der Weg aus der Armut ermöglicht und so die traditionelle Herangehensweise der Almosenvergabe radikal in Frage gestellt.
Opportunity
Internationals frühe Jahre bestanden aus Lernen und dem Umgang mit
neuen Ideen, um armen Menschen zu helfen. Schnell wurde die wichtige
Bedeutung einer lokalen Präsenz, die die Gelder vor Ort verwaltet und
den persönlichen Kontakt zu den Kreditnehmern hält, deutlich.
Hieraus
ergab sich die Vorgehensweise, individuell angemessene Kleinkredite zu
vergeben, die Hand in Hand mit einem entsprechenden
Unternehmens-Training gehen. Opportunity International war in dieser
Anfangszeit in nur wenigen Ländern tätig: Kolumbien, Honduras, Kenia
und Indonesien.
Das bis dahin noch unerforschte Gebiet der Mikrounternehmensentwicklung wurde zum größten Teil von der United States Agency for International Development
(USAID) finanziert, zusammen mit einigen privaten Großspendern.
Während
der 70er und frühen 80er Jahre waren die meisten Förderungen für
Mikrounternehmensentwicklung der USAID auf drei Jahre befristet – dies
bedeutete, dass Opportunity International in relativ kurzer Zeit seine
neuen Programme umzusetzen hatte.
Die
80er Jahre brachten dann Opportunity Internationals wichtigste Aufgabe
hervor: der Aufbau von lokalen Kreditvergabeinstitutionen, die nach
einiger Zeit in der Lage sind, sich selbst zu tragen.
Dabei hatte Opportunity im
Wesentlichen drei Rollen inne: das Stellen eines Aufsichtsrates,
technische Unterstützung und die Aktivierung finanzieller Ressourcen.
Um die einzelnen Projekte optimal zu unterstützen, delegierte
Opportunity International viele Funktionen an diese regional tätigen
Implementierungsorganisationen.
Gleichzeitig erfolgte eine stärkere
Konzentration auf die Rolle der lokalen Aufsichtsräte, um die
Gewährleistung der Ziele der einzelnen Projekte und deren
Nachhaltigkeit sicherzustellen.
Während der Betonung der freien Marktwirtschaft der Reagan-Regierung erhöhte die USAID ihre Zuwendungen für Mikrofinanzierungsprogramme. Viele Spender konzentrierten ihre Unterstützung auf die Vergabe von Kleinkrediten, wodurch Opportunity International seine Belegschaft sowohl in den USA als auch bei den Partnerorganisationen vor Ort erweitern konnte.
Im Jahre 1984 vergab Opportunity International bereits Kredite in einer Gesamthöhe von einer Million Dollar pro Jahr und verdoppelte diesen Betrag schon drei Jahre später.
Die weit reichende Unterstützung während der 80er Jahre führte zu einem enormem Wachstum für Opportunity International und anderen Mikrofinanzierungsunternehmen in den 90ern. Mehr als die Hälfte von Opportunitys derzeitigen Programmen wurden in diesem Jahrzehnt entwickelt, neue regionale Partnerunternehmen entstanden in Afrika und Osteuropa/Russland. Als neue Supportländer (Geberländer) kamen Großbritannien und Kanada hinzu.
In
Osteuropa wurde ein Programm getestet, in dem höhere Kredite vergeben
wurden, mit denen die Klienten ihre Unternehmen erweitern konnten. Um
den Ärmsten der Armen zu helfen, wurde der Women’s Opportunity Fund gegründet, der überwiegend Frauen unterstützt. 1992 startete der Women’s Opportunity Fund
ein innovatives Gruppenkredit-Programm mit dem Namen Trustbank
(Vertrauensbank).
Das erste Trustbank-Pilotprojekt wurde in El Salvador
gestartet und hatte dramatische Folgen für das Leben der Kreditnehmer.
Die Trustbank-Methode ist mittlerweile das vorherrschende Programm zur
Kreditvergabe des gesamten Opportunity International-Netzwerkes.
Dieser
Wechsel in der Arbeitsmethode führte auch zu einer stärkeren
Konzentration nicht nur auf die Einkommensverbesserung der
Kreditnehmer, sondern vielmehr auch auf eine ganzheitliche Transformation
der Lebensführung der Klienten.
Opportunity International hatte also gezeigt, dass die Menschen den Kredit tatsächlich zuverlässig zurückzahlen, und dass die Zinseinnahmen die operativen Kosten decken können. Nun suchte man nach neuen Möglichkeiten, seine Aktivitäten weiter auszudehnen.
Nachdem die Vorarbeit bereits in den 90ern geleistet wurde, eröffnete Opportunity International 2001 seine erste Rundum-Service-Mikrofinanzbank auf den Philippinen. Mikrofinanzbanken können Kredite vergeben und Guthaben und Investitionen verwalten.
Anfang
des 21. Jahrhunderts hat sich Opportunity International als
leistungsfähige Non-Profit-Organisation mit den drei Grundpfeilern
große Reichweite, finanzielle Nachhaltigkeit und ganzheitliche
Transformation der Klienten positioniert.
Opportunity verfügt über ein solides
Wachstum über die letzten 35 Jahre, mit der Vergabe von mehr als einer
Million Kredite allein in 2004 gegenüber der gleichen Anzahl von 1971
bis 2001.
Opportunity
International wird den Plan verfolgen, die Anzahl seiner bedürftigen
Kreditnehmer von einer Million in 2007 zu zwei Millionen in 2010 zu
vergrößern. Opportunity Internationals Ziel ist es, diese Zahl auf 50
Millionen in 2029 zu erhöhen.
Finanzdienstleistungen und
Trainingsmaßnahmen werden ständig verbessert, um den wechselnden
Bedürfnissen der Armen und ihrer Familien gerecht zu werden.
In 37
Jahren haben sich viele Dinge verändert, aber eines wird immer gleich
bleiben: Opportunity International wird stets fortfahren, dem Ruf Jesu
zu folgen, den Armen zu dienen, indem es die Mittel bereitstellt für
eine wirtschaftliche, soziale und spirituelle Transformation der
Menschen, die auf der ganzen Welt in Armut leben.
1971 | Al Whittaker gründet das erste Opportunity International Programm in Kolumbien und kündigt als Präsident von Bristol Myers International. Das erste Supportpartner-Büro wird in den USA eröffnet um Entwicklungshilfe-Programme in der ganzen Welt zu starten. Die Gesamtsumme der vergebenen Kredite beträgt 3.000 Dollar. Der allererste Kredit wird an den armen kolumbianischen Kleinunternehmer Carlos Moreno für seinen Tee- und Gewürzladen vergeben. |
1972 | Opportunity International bekommt seine erste Förderung (100.000 Dollar) von USAID und von Lilly Endowment. Implemenierungs-Patnerorganisationen, die von den ortsansässigen Menschen geführt werden, entstehen in Entwicklungsländern auf der ganzen Welt. |
1976 | Der australische Geschäftsmann David Bussau gründet sein Programm in Indonesien. Als weiterer Supportpartner kommt Australien hinzu. |
1978 | Opportunity International beginnt mit der Arbeit in Honduras. |
1979 | Die Programme von Whittaker und Bussau schließen sich in Lateinamerika und Asien zusammen, um den Grundstein von Opportunity International, wie es heute existiert, zu legen. |
1982 | Neue Programme werden auf den Philippinen, in Costa Rica und Peru eingeführt. |
1983 | Start des Programms in der Dominikanischen Republik. |
1984 | Opportunity-Kredite übersteigen nun 1 Million Dollar pro Jahr. Start der Programme in Guatemala und Indien. |
1985 | Start des Programms in El Salvador. |
1986 | Start der Programme im Sri Lanka, Jamaika und Pakistan. |
1987 | Weltweit beträgt die Summe der Opportunity-Kredite nun 2 Millionen Dollar. |
1989 | Die Summe der Privatspenden erreicht die 1 Million Dollar-Grenze. |
1990 | Die Region Afrika wird aufgebaut. |
1991 | Start des Programms in Nicaragua. |
1992 | Die Tätigkeit von Opportunity International konzentriert sich auf Hilfe für die Ärmsten der Armen am unteren Ende der Armutspyramide. Der Women’s Opportunity Fund wird gegründet und startet mit einem Pilotprojekt in El Salvador. Als neuer Supportpartner kommt Großbritannien hinzu. |
1993 | Neue Programme starten in Russland, Bulgarien und Südafrika. |
1994 | Neue Programme starten in Ghana, Uganda und Rumänien. |
1995 | Eine Verpfändung von 3 Millionen Dollar garantiert Opportunitys Vergrößerung. Neue Programme starten in Polen, Malaysia und Ägypten. In Russland helfen Die Kredite um 1.000 neue Jobs zu schaffen. Mehr als 200 Mitarbeiter aus 27 Ländern kommen in Malaysia zur ersten Opportunity Global Conference zusammen. Die Summe der Privatspenden beträgt mehr als 4 Millionen Dollar. |
1996 | Dieses Jahr entstehen mehr als 100.000 neue Jobs durch Mikrofinanzierung. Neue Programme starten in Kroatien und Sambia. |
1997 | Das
Opportunity International Network wird gegründet, um alle
Partnerorganisationen auf der ganzen Welt zu vernetzen. Als allgemeine
Richtlinie, um den Erfolg eines Programms zu messen, konzentriert sich
Opportunity nun eher auf die ganzheitliche Transformation als nur auf die
Einkommensverbesserung. |
1998 | Die neuen Supportpartner Kanada und Deutschland kommen hinzu. |
1999 | Auf den Philippinen wird das „Scale-Up“-Programm gestartet, dass den Einzugsbereich von OI über die nächsten 5 Jahre auf das 10-fache erweitert. Neue Programme starten in Albanien und Montenegro. |
2000 | Die Rückzahlungsrate von Opportunity International beträgt nun 98 Prozent. Formale Finanzinstitute werden eröffnet, um ein umfangreicheres Angebot an Finanzdienstleistungen anzubieten; diese können nun Guthaben und Investitionen verwalten und Kredite vergeben. Ein neues Programm in Ost-Timor wird gestartet. |
2001 | Das OI Netzwerk wendet nun das Trustbank-Modell als ihre Hauptmethode zur Kreditvergabe an. Die langfristige Planung sieht eine Erweiterung der Klienten von Opportunity International pro Jahr auf 1 Million in bis 2007 und 2 Millionen bis 2010 vor. Die Opportunity Microfinance Bank öffnet als erste Rundum-Service-Bank für Mikrofinanzierung des Landes auf den Philippinen. Neue Programme starten in Serbien und Malawi. |
2002 | Zum ersten Mal sind Kreditvergabeprogramme operativ selbsttragend zu 100,46 Prozent. Das erfolgreiche Pilotprojekt zur Mikroversicherung in Sambia findet weltweite Nachahmer. Der erste Insight Trip für Frauen findet unter dem Thema „Führungsentwicklung mit weiblichen Klienten und Mitarbeitern“ in der Dominikanischen Republik statt. Der erste Opportunity International Network Gender Report mit dem Schwerpunkt Geschlechterverhältnis wird weltweit veröffentlicht. Pilotprojekt zur Sicherung des Klientenfeedbacks startet in Ghana und Russland; dieses führt zu entsprechenden Verbesserungen des Client Impact Monitoring System. In der Dominikanischen Republik wird eine strategische Allianz mit Compassion International eingegangen. |
2003 | Klienten in Ghana, Malawi, Mazedonien, Montenegro, den Philippinen und Serbien haben nun die Möglichkeit, ein persönliches Sparkonto zu eröffnen zusätzlich zur Kreditnahme. Neue Programme starten in Mexiko und China. Die 25-Millionen-Dollar-Kampagne „Lending Hope to Africa“ startet um die HIV/AIDS-Epidemie zu bekämpfen; dazu werden Aufklärungsprogramme und Unterstützung zusammen mit Mikrofinanzierungsdienstleistungen angeboten. Der Women’s Opportunity Fund kooperiert mit Viva Network, um Kindertagesstätten in Kolumbien zu errichten, damit die Mütter sich um die Familie und das Geschäft kümmern können. |
2004 | Im Jahr 2004 allein werden 1 Million Kleinkredite vergeben, genauso viele wie in den Jahren 1971-2001 zusammen. Neues Projekt startet in Mozambique. Neues Lehrlings-Ausbildungsprogramm startet in Uganda. Eine strategische Allianz mit Habitat for Humanity wird in Uganda eingegangen. |
2005 | Die 70.000-Grenze wird erreicht: so viele Familien eröffnen ein Sparkonto bei einer Opportunity-Bank. Mehr als 2,6 Millionen Opportunity-Klienten und ihre Familien sind bei Mikroversicherungsprogrammen versichert. Das Smart Cards-Programm, wobei Fingerabdrücke zur Identifizierung dienen, startet in Malawi und Ghana. Opportunity kooperiert mit der Weltbank und der angeschlossenen Commodity Management Group, um eine Versicherung gegen schlechte Wetterbedingungen für Farmer in Malawi bereitzustellen. Der Opportunity Loan Guarantee Fund I LLC wird eingerichtet mit einer 2 Millionen Dollar-Spende von Opportunity International US und 9,15 Millionen Dollar Investitionen von 21 Wechselinhabern. |