Nils Ritterhoff ist Diplom-Betriebswirt und derzeit in Bremen als Assistent für die Geschäftsführung von KAEFER Isoliertechnik tätig. Mit seiner Begeisterung für die MiKrofinanz-Idee wurde er Anfang 2006 Opportunity-Botschafter. Seit Anfang 2008 ist Nils Ritterhoff Stiftungsrat bei Opportunity International. Doch zuvor verschaffte er sich einen persönlichen Einblick in unsere Arbeit:
„Im September 2005 besuchte ich während einer dreiwöchigen Reise drei Opportunity-Partner und bereiste fünf der 11.000 Inseln Indonesiens. Ich wollte herausfinden, was meine Spenden im Leben von Menschen bewirken.
Auf der paradiesischen Touristen-Insel Bali gibt es hinter den Kulissen große Armut. Hier vergibt Opportunity International Kleinkredite an Vanillebauern, Müllsammler oder Bambusmattenproduzenten. Bildung und Vorkenntnisse für diese Arbeiten sind kaum notwendig, so dass nach einem Kleinkredit der Existenzaufbau schnell starten kann, beispielweise die Bambusmatten-Herstellung: Bambus schneiden, trocknen, flechten, fertig. Pro Woche entstehen bis zu 10 Matten. Der Erlös pro Matte liegt bei 19.000 indonesischen Rupien (ca. 1,50 €). Aus 12 Matten baut man in ländlichen Regionen ein einfaches Häuschen.
In West Timor, dem Armenhaus Indonesiens, traf ich die „Seegras-Bauern". Das so genannte "Seegras" ist eigentlich eine Algenart mit dem wissenschaftlich korrekten Namen "Eucheuma Cottoni". Die harte Arbeit der Seegraszucht im flachen Meerwasser ernährt viele Familien. Das Seegras wächst an langen Seilen, es wird geerntet, getrocknet, verpackt und an Großhändler als Rohstoff für die pharmazeutische Industrie verkauft.
Die Bauern berichteten mir stolz, wie sich ihr Leben veränderte. Früher wohnten sie in simplen Bretterverschlägen und Malaria war weit verbreitet. Nun bauen sie mit dem erwirtschafteten Geld einfache, aber solide Steinhäuser. Sie bieten während der Regenzeit einen besseren Schutz vor dem Klima und den gefährlichen Moskitos.
Dieser kleine Schritt aus der Armut hat für die Menschen eine enorme Wirkung. Hilfe zur Selbsthilfe bekommt durch die ergänzenden Schulungen eine breitere Basis. Die Klienten erhalten Kenntnisse in Bereichen wie Gesundheit und Hygiene, Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie den biblischen Prinzipien über den Wert menschlichen Lebens. Die Verbindung von Krediten mit praktischer Lebenshilfe bietet die Chance auf eine nachhaltig positive wirtschaftliche und persönliche Entwicklung.
Letzte Station meiner Reise war Jakarta, wo es für viele Menschen einfach nur um das Überleben in einer Megastadt geht. Urbane Strukturen, Menschen, die in Slums leben, Händlerinnen, die Lebensmittel und Kleidung kaufen und verkaufen. Auch hier entwickeln sich die Menschen durch Kleinkredite und praktische Lebenshilfe. Die drei Wochen waren schnell vorbei. Doch es bleiben viele Erinnerungen.
Besonders beeindruckten mich die Menschen. Selten erlebte ich so viel Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Geduld wie auf diesen Inseln. Dazu kommt die faszinierende Landschaft mit Reisfeldern, Vulkanen, der üppigen tropischen Vegetation und bezaubernden Korallenriffen. Es war ermutigend zu sehen, dass meine Spenden nicht nur wirtschaftlich helfen, sondern sich ganzheitlich auf die Familien, oft sogar auf ganze Gemeinden auswirken."