Jochen Ewald, ehemaliger Präsident des Genossenschafts-Verbands Weser-Ems, beschreibt das persönliche Fazit seines Insight Trips in die Volta Region in Ghana im März 2008:
"Was habe ich denn eigentlich erwartet von dieser Reise? Klar, ich wollte erleben, was mit den auch von mir gespendeten Geldern geschieht. Ich wollte Menschen kennenlernen, die sich mit Hilfe von Mikrokrediten eine eigene Existenz aufbauen, wollte erfahren, um welchen Menschentyp es sich dabei handelt. Wollte wissen, wie sie auf mich wirken und ob ich vielleicht Parallelen erleben würde zu den 70er Jahren, als ich als junger Mitarbeiter in der Kreditabteilung einer Genossenschaftsbank begann, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wem man welche Kreditsummen anvertrauen kann.
In der damaligen Zeit war ja auch das Kreditgeschäft sehr viel stärker auf die Person des Kreditnehmers ausgerichtet - und nicht auf von Gier und Rating-Manipulationen geprägte Geldmarktgeschäfte mit Subprime-Krediten, die heute weltweit den Banken zu schaffen machen.
Und der Eindruck, den ich mir gewünscht hatte, hat sich bestätigt. Die Mitglieder der Trustbank "Agnes", deren Patenschaft ich meiner Frau zu Weihnachten geschenkt habe, die habe ich hier bei meinem ersten Besuch in Ghana noch nicht angetroffen, dafür aber andere Trustbanks, bei denen ich sofort wieder das Gefühl hatte: Jawohl, das ist der richtige Weg für die Entwicklungshilfe in den armen Ländern unserer Erde.
Menschen nicht einfach Geld schenken, gewissermaßen Almosen. Nein, sie durch Vertrauen befähigen, ihre eigene Leistungsfähigkeit zu entwickeln. Hilfe zur Selbsthilfe eben, den Urgedanken des Genossenschaftswesens - hier in Ghana - in der Region Volta, nahe der Grenze zu Togo - habe ich die Menschen getroffen, die von diesem Gedanken geprägt sind und ihn leben.
Menschen wie Elisabeth Sarpong, eine sehr jungen Frau in den Diensten von Sinapi Aba Trust (Opportunity-Partnerorganisation in Ghana), die ihre Arbeit in einer für mich sehr beeindruckenden Souveränität erledigt. Menschen wie Donald und Daniel von der Sinapi-Filiale in Ho, die einen Dienst vollbringen, ohne den die Menschen in den abgelegenen Dörfer niemals die Chance hätten, faire Kredite für ihre Vorhaben zu erhalten. - Menschen wie Kwam, der Fahrer, der uns vor jeder Fahrt, die ja in diesem Land durchaus abenteuerlich ist, in sein Gebet eingeschlossen hat und den ich wegen seiner ausgeprägten Liebenswürdigkeit ganz besonders in mein Herz geschlossen habe.
Und Menschen in den von uns besuchten Siedlungen. Frömmigkeit, Fröhlichkeit, sie begegneten mir immer wieder, ja sie hat mich sogar beschämt. Als mich bei einem Rundgang durch ein Dorf ein kräftiger Mann ständig begleitete, mich an die Schulter fasste, mir seine Familie und seinen Laden vorstellte, fühlte ich mich anfangs ein wenig genervt wegen der von mir fast als aufdringlich empfundenen Nähe.
Bis mir aus der Reisegruppe jemand sagte, weißhaarige ältere Männer werden hier besonders verehrt. Da war mir klar, der Mann wollte mir einfach nur helfen, wollte, dass ich nicht auf den steinigen Wegen hinfalle, wenn er mich an die Hand nahm, wenn er mir zeigte, wohin ich treten sollte. Zum Glück habe ich ein Foto von ihm - und ich habe seinen Namen notiert, so dass ich mit ihm wieder Kontakt aufnehmen kann.
Und Kontakt werde ich wieder aufnehmen, zu diesem wunderschönen Flecken auf unserer Erde. Zu den Menschen, die hier leben und die es verdient haben, dass wir ihnen auf ihrem Wege zur Selbsthilfe helfen. - Ich empfinde eine tiefe Dankbarkeit, dass ich das tun darf.