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Interview mit Rev. Dr. Ketut Waspada

Ketut WaspadaRev. Dr. Ketut Waspada wurde 1950 auf Bali als Sohn eines Pastors geboren. Nach seinem Studium der Theologie wurde er 1976 zum Pastor ordiniert, bevor er 1978 mit Hilfe eines Stipendiums die Möglichkeit bekam, in Freiburg und München zu studieren.

1986 kehrte er nach seiner Promotion nach Bali zurück, wo er 1988 Bischof wurde. Noch heute lebt er mit seiner Frau und seinen drei Kindern dort. 1992 gründete er mit Freunden die DINARI Stiftung, unsere Partnerorganisation auf Bali. Hier berichtet er über seine Arbeit.

Opportunity International: Ketut, sag uns doch bitte, was das Besondere an unserer Partnerorganisation DINARI auf Bali ist.

Ketut Waspada: DINARI ist eigentlich eine Abkürzung für Dian Bhuana Lestari. Dian heißt ein „kleines Licht", Bhuana heißt „Welt" und Lastari bedeutet „ganz" oder „bewahrt". DINARI heißt also übersetzt etwa „ein kleines Licht zu einer bewahrten Welt". Das ist unser großer Traum, dass wir etwas tun zur Bewahrung der Schöpfung. 

Wie sieht die Mikrofinanzierungs-Arbeit vor Ort aus? Gibt es bei DINARI besondere Themen oder Schwerpunkte?

Am Anfang haben wir vor allem im Umweltschutz gearbeitet. Im östlichen Teil Balis waren die Menschen arm und konnten sich kein Brennöl zum Kochen leisten. Daher haben sie Bäume gefällt, um Brennholz zu bekommen oder das Holz auf den lokalen Märkten zu verkaufen. Dies führte dazu, dass fast alle Bäume vernichtet worden sind.
Deswegen entwickelten wir ein Programm zur Wiederaufforstung und sagten den Menschen: „Wir geben euch Ziegen, wenn ihr dafür Bäume pflanzt." Fünf Dörfer haben gemeinsam das Projekt durchgeführt. Dieses Programm war sehr, sehr erfolgreich.
Im Laufe der Zeit wandelte sich unsere Arbeit, wir kümmerten uns nicht mehr nur um die Umwelt, sondern wir lernten Opportunity International kennen und begannen Mikrokredite zu vergeben. 

Gibt es unterschiedliche Programme für die Stadt- und die Landbevölkerung? Was macht zum Beispiel ein Programm für die Landbevölkerung aus?

Die Menschen in der Stadt arbeiten normalerweise als Handwerker, Müllsammler oder Straßenkehrer. Auf dem Land haben wir es dann eher mit Kleinbauern zu tun. Auch hier müssen wir wieder an die Umwelt denken. Wir haben zum Beispiel ein Programm zur Nutzung von Biodüngern mit unseren Klienten durchgeführt. Den Bauern haben wir beigebracht, nicht ausschließlich anorganischen Dünger zu verwenden, denn wir wissen genau, dass dadurch im Laufe der Zeit der Boden unfruchtbar wird. Die Bauern haben dies schnell verstanden und umgesetzt. 

Bestandteil unserer Mikrofinanzierungs-Programme sind ja auch Trainingsmaßnahmen...

Ja genau, das gehört unbedingt zusammen! Bei der Mikrofinanzierung geht es ja nicht nur um das Geldverleihen in der Hoffnung, dass die Menschen Geschäfte damit machen. Sondern man muss ihnen auch beibringen, wie man ein Geschäft gut führt. Bei uns haben die Menschen anfangs oftmals falsch gerechnet.
Wenn eine Frau auf dem Markt zum Beispiel gebratene Bananen verkauft, muss sie auch Kosten für das Feuer bzw. das Brennholz, die Arbeitszeit und das Öl mit einrechnen. All dies geschieht oft nicht. Zum Schluss wunderten sich die Menschen dann, warum sie kein Geld übrig hatten.
Da müssen wir ansetzen, das müssen wir den Menschen beibringen. Aber auch andere Fragen sind wichtig: Wie kommt man zu einem Markt? Wie erkennt man die Wünsche der Menschen und Kunden dort? Das ist viel Arbeit. Aber gerade diese Trainings- oder Bildungsarbeit macht unsere Stiftung besonders.

Wie gestaltet sich konkret der christliche Ansatz in der Arbeit aus? Gerade auf Bali, wo die Mehrheit der Menschen ja nun keine Christen, sondern eher Hindus oder Moslems sind? Wie gehen auch die Mitarbeiter mit den verschiedenen Konfessionen um?

Es ist ganz klar, dass wir eine christliche Organisation sind. Alle Mitarbeiter sind Christen und jeden Morgen gibt es eine Andacht und eine Bibel-Lesung.
Unseren Mitarbeitern ist es sehr bewusst, dass es um das Evangelium geht, um die Gute Nachricht. Wir bringen die Gute Nachricht zu den Leuten. Es geht darum, dass die Armen ein Recht auf ein besseres Leben haben. Diesen Auftrag zu erfüllen, bereitet all unseren Mitarbeitern eine große Freude. 

Wird dieses Wissen in den Trustbank-Meetings weitergegeben und vorgelebt? Wie ist dann die Resonanz von den Klienten?

Das machen wir ganz offen. Und das ist hier auch normal zwischen den Religionen. Wenn ich als Christ etwas veranstalte, werden christliche Gebete gesprochen. Wir laden die Menschen ein und beginnen die Sitzung mit einem christlichen Gebet, auch wenn die Klienten keine Christen sind. Sie haben das voll akzeptiert!
Und außerdem zeigen wir, dass wir nur etwas Gutes wollen. Der eigene Glaube, die eigene Religion ist eine private Sache. Unsere Aufgabe ist es also nicht, unsere Klienten zu Christen zu machen. 

Es gibt in den Programmen also keine Probleme zwischen den Menschen unterschiedlicher Religionen?

In den Programmen gibt es überhaupt keine Probleme. 

DINARI hat ja auch mehr Frauen als Klienten als Männer. Gibt es da Probleme bei dem Thema Stärkung der Frauen, oder wird das ganz gut aufgenommen?

80 Prozent unserer Klienten sind Frauen. Bei der Landbevölkerung sind unsere Klienten aber eher Männer. Dies liegt normalerweise daran, dass die Männer in der Stadt bereits Arbeit haben, das Einkommen aber nicht ausreicht. Dadurch müssen die Frauen auch arbeiten, um die Familie zu unterstützen, als Handwerkerinnen, Verkäuferinnen oder Müllsammlerinnen. Mit den Frauen funktioniert das Kreditprogramm auch besser. 

Damit haben dann die Männer auch kein Problem?

Nein, überhaupt nicht. Sie wissen ja auch genau, dass die Frauen nicht für sich selbst arbeiten, sondern für die Familie. 

Du bist Gastredner auf unseren Veranstaltungen, aber du kennst Deutschland ja schon von früher aus deiner Studienzeit.

Ja, gerade dass die Leute zu den Veranstaltungen von weit herkommen, zweihundert, dreihundert Kilometer, das finde ich einfach toll! Dass ihr hier in Deutschland vier Jahreszeiten habt, das finde ich auch schön. Eigentlich will man ja auch immer das haben, was man nicht hat.
Für euch ist wahrscheinlich Bali schön, für uns ist Deutschland schöner.

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