Wir finden es wichtig, unseren Klientinnen auch bei den alltäglichen Sorgen zur Seite zu stehen. Deswegen traf sich in Indien eine Gruppe zum Thema „Häusliche Gewalt" mit rund 40 Frauen der Trustbanks „Taj Mahal" und „Minnal".
Da viele unserer indischen Klientinnen häusliche Gewalt zu Hause erleben, war es unser Anliegen, dieses Thema einmal offen zu diskutieren.
Ein Poster, das drei Situationen zeigt - einen Mann, der eine Frau schubst, einen Mann, der Geld von einer Frau nimmt und noch einen Mann, der einer Frau die Tür versperrt - wurde ausgestellt, um die Diskussion anzuregen.
Nach anfänglichen Diskussionen darüber, wie die Darstellungen von den Frauen im Raum wahrgenommen werden, wurden die verschiedenen Aspekte häuslicher Gewalt diskutiert. Weitere Bilder-Broschüren zum Thema sollten neue Denkanstöße liefern. Dabei sollten die Möglichkeiten eines angemessenen Umgangs in einer solchen Situation erarbeitet werden.
Es ist allerdings mehr geschehen als nur ein einfacher Meinungsaustausch. Obwohl die Diskussion eher zurückhaltend begann, wurde es sehr schnell persönlich, da fast jede Frau sich in der einen oder anderen Situation wiedererkannte. Andere Frauen sprachen von einer Nachbarin, deren Mann sie körperlich missbraucht.
Eine andere Frau hatte erlebt, wie ihre Mutter darum kämpfen musste, sie und ihre Schwester mit einer großen Aussteuer zu verheiraten. Der Ehemann einer weiteren Frau weigerte sich, die Verantwortung für die Versorgung der Kinder zu übernehmen, so dass sie selbst den größten Teil zu tragen hatte.
Es gab aber auch viele Frauen, die gar nichts sagten. Die Erfahrungen und Gefühle dieser Frauen konnte man sich allerdings dennoch leicht vorstellen, denn sie hatten Tränen in den Augen.
Im Laufe der Diskussion brach eine der Frauen zusammen und musste den Raum verlassen. Sie kehrte ein paar Minuten später zurück; man sah, dass sie geweint hatte. Es lag eine schwere Stille im Raum. Die Opportunity-Mitarbeiter fragten die Gruppe, ob sie dieses Thema weiter besprechen wollten.
Die Frau, die den Raum verlassen hatte, war die erste, die antwortete. Sie sagte, dass die Diskussion weitergeführt werden müsste, da dies der einzige Weg sei, den eigenen Druck loszuwerden. „Nur wenn wir darüber sprechen, werden wir auch jemals etwas dagegen tun!"
So ging die Diskussion weiter. Eine der Klientinnen beschloss, mit ihrem Mann in Ruhe darüber zu sprechen, wie sie sich fühlt, wenn er sie so behandelt. Viele von ihnen nahmen sich vor, ihre Töchter über das Thema aufzuklären. Andere Frauen beschlossen, ihren Söhnen den Respekt vor Frauen mit auf den Weg zu geben.
Als sich die Gruppe am Ende des Tages auflöste, konnte man nicht davon reden, dass das Thema „Häusliche Gewalt" abschließend behandelt worden war. Wir hatten mit der Diskussion eher in das sprichwörtliche Wespennest gestochen.
Trotzdem hatten wir das Gefühl, dass bei den Frauen durch Offenheit und Ehrlichkeit ein neues Gefühl von Mut aufgekommen ist.
Die Frauen haben verstanden, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind. Sie können aneinander helfen, neue Entschlossenheit und neue Hoffnung zu gewinnen. Dieses Gefühl möchten wir auch weiterhin vermitteln:
„Ihr seid nicht allein!"