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Bericht vom Insight-Trip nach Uganda: „Mzungu, mzungu!"

Anlässlich des Starts unserer „Bank mit Herz"-Aktion verloste Opportunity International im April dieses Jahres, mit freundlicher Sponsoren-Unterstützung, einen Insight-Trip nach Afrika. Unsere glückliche Gewinnerin, Meike Wessling, packte schon im Juli ihre Koffer und brach für eine Woche nach Uganda auf. Gemeinsam mit ihrer Tochter  Sina erlebte sie ein faszinierendes Land, eine Bank auf Rädern und Menschen die mit Hilfe von Opportunity ihr Leben in die Hand nehmen und eine Existenz für sich und ihre Familien aufbauen.

„Weiße, Weiße!“ - So tönte es aus lauter kleinen Kinderkehlen, als wir in die entlegenen Gebiete Ugandas vordrangen. Vom 2.-9. Juli 2011 haben wir uns mit einer kleinen Gruppe von drei Schweizern und vier Deutschen auf den Weg nach Uganda gemacht, um die Arbeit von Opportunity International (OI) kennenzulernen.

Wie gestalten sie die Arbeit vor Ort? Wen unterstützt OI? Welche besonderen Herausforderungen gibt es speziell in Uganda? Diese Fragen sollten im Laufe unserer Reise mit vielen neuen Eindrücken beantwortet werden. George, der Geschäftsführer von OI Schweiz, nahm uns schon in Amsterdam in Empfang und mit Teddy, die seit vielen Jahren bei OI arbeitet, hatten wir eine kompetente und liebenswerte einheimische Ansprechpartnerin vor Ort.

Tag 1

Ein Kennzeichen der Reise war das außergewöhnlich frühe Aufstehen, das uns allerdings  lange Tage voll von spannenden Eindrücken ermöglicht hat. So wurde unsere Reise am Sonntag mit einem fröhlichen Gottesdienst mit vielen Kindern aus dem nahe gelegenen Internat in einer großen Anglikanischen Kirche eröffnet. Die Lieder waren uns sehr vertraut, so dass wir ein Stück Heimat in der Ferne erlebten.

Zum Mittagessen führte uns Teddy in das drehbare Restaurant Seven Hill, in dem wir den lokalen Süßwasserfisch Tilapia und einen unbeschreiblichen Panoramablick über Kampala genossen. Danach ging es zu einem Handwerksmarkt, bei dem wir in einem Hinterhof eine Gruppe von Kindern entdeckten, die zu wilden Trommelklängen mit vollem Körpereinsatz einen Tanz einstudierten.

Tag 2

Am zweiten Tag gab es den ersten Einstieg in das Mikrofinanzprojekt von OI. Zunächst trafen wir uns in der Geschäftsstelle von OI, die wie alle offiziellen Gebäude von bewaffneten Posten bewacht wurde. Wir begannen mit einer Morgenandacht mit den Angestellten und bekamen einen Überblick über das Projekt.

Von dort fuhren wir zu einer sogenannten Kreditnehmergruppe, die sich wöchentlich in einem Stadtteil von Kampala im „Restaurant“ eines Mitgliedes trifft. In einer einfachen Holzhütte saßen wir eng gedrängt mit den ca. 20 Teilnehmern dieser Gruppe. Es handelte sich um Kreditnehmer und Kreditnehmerinnen, die einen Kleinkredit für unterschiedliche kleine Unternehmen bekommen haben.

Es gab zum Beispiel eine Friseurin, die auf 6 m2 mit zwei Aushilfskräften die Haare der Kunden flechten und färben oder eine Lebensmittelhändlerin, die ihren Kunden frisches Obst und Gemüse  anbot. Ihr „Geschäft“ war ein Holzstand, sehr einfach, aber farbenfroh und existenzsichernd. Mehrere dieser Gruppe hatten sich von dem Geld Motorräder (sog. Boda-Bodas) gekauft, mit denen sie als Motorradtaxi ihren Lebensunterhalt verdienten. Jede Gruppe hat einen Gruppenleiter, dem jeden Montag der vereinbarte Geldbetrag (Zinsen und Tilgung) persönlich ausgehändigt wird. Das System der Gruppenkredite, bei dem jeder für den anderen in der Gruppe bürgt, hat sich in Uganda sehr bewährt. Die Kreditausfälle halten sich dadurch in Grenzen.

Schulkinder
Schulkinder der Good-Daddy-Parents-School

Nach einem kurzen „Lunch to go“ ging es zur „Good-Daddy-Parents-School“, eine Privatschule oder auch "Microschool", die über einen Mikrokredit von Opportunity finanziert wurde. Die Kinder empfingen uns eng aneinander gereiht und führten uns Tänze und Lieder vor, bei denen es auch um ernste Themen wie Aids ging. Begeistert von dem Besuch wurden uns die Klassenräume gezeigt, in denen ca. 40 Kinder pro Klasse zusammen lernen. Auch ein Computerraum war vorhanden. Fasziniert von den aufgeweckten und neugierigen Kindern fuhren wir zurück ins Hotel.

Tag 3

Am dritten Tag sind wir zu früher Morgenstunde in das Landesinnere nach Mubende aufgebrochen. Dort hat im April erst eine neue Zweigstelle von Opportunity eröffnet. Nicht nur der Kreditbedarf ist groß, sondern wie sich herausstellte, auch der Bedarf Sparkonten zu eröffnen. So haben in den knapp drei Monaten seit Eröffnung der Bank schon 1500 Sparer ein Konto eröffnet. Diese Personen haben ihr Geld aus den Verstecken unter den Matratzen geholt und waren froh, es einzahlen zu können.

Durch viele Schlaglöcher fuhren wir vorbei an Frauen, die in traditionellen Kleidern ihre Babys auf dem Rücken und Körbe auf dem Kopf trugen und an Lastwagen, deren Ladefläche mit Mehlsäcken vollgestopft war, auf deren Spitze noch Menschen saßen. Nach der Besichtigung der Bank in Mubende und dem obligatorischen Eintrag in das Gästebuch fuhren wir fern ab der Hauptstraße zu den Kreditnehmern. Unser optimistischer und fantastischer Busfahrer nahm es mit den gefährlichsten Pisten auf, die eigentlich nur mit Spezialjeeps befahrbar sind. Vor einem tiefen Wasserloch mitten im Dschungel endete dann jedoch die Busfahrt und wir stiegen kurzerhand in den Pick-up von Opportunity um, der mit 13 Personen leicht überladen war, aber erfolgreich die restliche Strecke meisterte.

Angekommen bei den Kaffeebauern, die uns stolz ihre Höfe zeigten und ihre Familien vorstellten, bekam man einen Einblick in das Leben der Klienten und ein besseres Verständnis für die Kultur. Kaffeebohnen trockneten ordentlich auf Planen, bereits getrocknete Bohnen warteten darauf, eingesammelt zu werden. Die Höfe waren einfach und sauber. Die Hütten waren traditionell aus Lehm und es gab ein Extrahaus  für die Feuerstelle. Affen sprangen von Baum zu Baum und Uganda zeigte sich als wunderschönes, grünes Land.

Tag 4

In der Lobby der traumhaften Mweya Safari Lodge ging es morgens um 6:00 Uhr los zu einer Safari im Queen Elisabeth Nationalpark. Hier eröffnete sich für uns alle ein großes unbekanntes Paradies. Dank unseres Spähers Bernd, der die Tiere noch vor unserem Guide entdeckte, sahen wir Elefantenfamilien, Uganda Bucks (eine Garzellenart), Kraniche, Büffel, Krokodile, Adler, Nilpferde und als krönenden Abschluss einen Löwen im Baum, gleich neben der Strasse. Das vorzügliche Frühstück in der Safari Lodge und der atemberaubende Ausblick über die Seen umrahmten den fantastischen Tag in der tierreichen Wildnis.

Tag 5

mobile Bank
Der "Bankschalter" der mobilen Bank von Opportunity

Auf dem Rückweg ging es nach Mbarara, wo wir uns auf die Spuren der mobilen Bank begaben. Mitten in einem Dorf nahe Mbarara wurde uns unter einem Plastikpavillon mit einem Pick-up demonstriert, wie eine Bank mit den einfachsten Mitteln bestehen kann: Nachdem unter dem Pavillon die Mitarbeiter von Opportunity die Formulare für die Kreditnehmer ausgefüllt hatten, reihten sich die Kunden in die Schlange vor dem Pick-up Fenster ein und warteten darauf, dass der auf der Rückbank sitzende Mann ihre Formulare abstempelte und die eingezahlten Geldbeträge eintrug.

Weiter ging es zu einem Bananenfarmer, der sich mit seiner großen Familie ein neues Haus bauen will. Vor einiger Zeit hatte er bereits einen Baukredit für einen  Anbau aufgenommen und diesen treu abbezahlt. Nun möchte er ein „größeres“ Haus – immer noch eine bescheidene Hütte – für seine 12-köpfige Familie bauen.

Die Fahrt ging zurück nach Kampala, an hochgetürmten Bananenlastern vorbei und an Motorrädern, die einfach alles transportieren (Bettgestelle, Ziegen, Familien, Bananen, den gesamten Hausstand).

Tag 6

Der letzte Tag im wunderschönen Uganda. Jenny holte uns morgens beim Hotel ab und brachte uns zu einem wundervollen Markt in Kampala. Die folgende Besichtigung des Waisenhauses rührte unsere Herzen. Es gibt so viele Waisen bzw. Findelkinder in Kampala. Sie werden einfach an der Straße abgelegt, aus Verzweiflung, aus Armut.

Das Waisenhaus ist sehr gut und liebevoll geführt. Die Kinder sind ordentlich gekleidet und haben genug zu essen. Um nicht gänzlich auf Spenden angewiesen zu sein, baute die Leitung ein kleines Secondhand-Geschäft auf, in denen die Mitarbeiter Kinderkleidung verkaufen, um damit das Heim zu finanzieren. Eine gute Idee, um unabhängiger zu werden.

Bei einem schönen Mittagessen im „Le chateau“ mit Jenny und Archie ließen wir die Reise bei einem fantastischen Kaffee Revue passieren. Mit einem Zwischenstopp bei „Joseph the carpenter“, wo wir der Herstellung kunstvoller Holzschnitzereien zusehen konnten, und noch letzte Souvenirs ergatterten, ging es nach Entebbe. Die Fahrt neigte sich dem Ende zu. Und so genossen wir die Nachmittagssonne am Strand des Viktoria Sees und liessen die Reise mit einem gegrillten Tilapia (Victoriabarsch) ausklingen. Viele Eindrücke begleiten uns. Es ist erstaunlich, wie mit kleinen Krediten so vielen Menschen geholfen werden kann.

Mukama Akuwe omukisa (Luganda für "Gott segne dich")