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„Mikrofinanz: Selbsthilfe oder Schuldenfalle?" - Fachgespräch in Bonn

Auf Einladung von Opportunity International und Oikocredit trafen sich am 02. März Experten in Bonn, um die aktuelle Entwicklung in der Mikrofinanz zu diskutieren. Nach einer Einführung von Mathias Mogge, Vorstand „Programme" bei der Welthungerhilfe führte Dr. Rupert Neudeck durch das Gespräch. Anlass war die Berichterstattung über Selbstmorde von Kleinkreditnehmern im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh, die mit Überschuldung und hohen Gewinnversprechen einiger kommerzieller Mikrofinanzanbieter in Zusammenhang gebracht wurden. Dr. Oliver Schmidt, der seit vielen Jahren in Uganda und Indien Mikrofinanztrainings durchführt, stellte eingangs der Diskussion klar: „Es gibt keinen Beweis, dass diese Selbstmorde etwas mit Mikrokrediten zu tun haben."

Opportunity-Vorstand Stefan Knüppel betonte: „Die Regulierung von Mikrofinanzmärkten ist von besonderer Bedeutung. Mikrofinanz muss als ganzheitlicher Ansatz verstanden und umgesetzt werden. Zentral ist dabei die soziale Zielsetzung der Arbeit!" Wie jeder Kredit sollten Mikrokredite nur nach genauer Auswahl und Prüfung vergeben und auf diese Weise Überschuldung vermieden werden. Wichtig sei zudem, dass Schulungen den Kredit begleiten und die Möglichkeit auf Mikrosparen und den Abschluss von Mikroversicherungen bestehen. So kann eine nachhaltige Armutsreduktion erreicht werden. „Das ist unsere Definition sozialer Mikrofinanz", so Stefan Knüppel.

„Die Anbieter, die in die Kritik geraten sind, täten gut daran, schnelles Wachstum hinten anzustellen und sich auf die Vorzüge des traditionellen Mikrofinanzwesens zu besinnen", unterstreicht Prof. Dr. Gertrud Buchenrieder von der Universität der Bundeswehr München. Dazu gehören vor allem eine gezielte Kundenauswahl und mehr Kundennähe, aber auch die Möglichkeit zu Sparen sei extrem wichtig. Die Erfolgsgeschichte der deutschen Genossenschaftsbanken legt davon ein eindrucksvolles Beispiel ab.

Dr. Oliver Schmidt betont: „Mikrofinanz hat viel vollbracht, aber bei weitem noch nicht so viele Menschen erreicht wie nötig." Angesichts von 500 Millionen Menschen, die noch keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen haben, kann dies nur unterstrichen werden. Für Opportunity International gibt es also noch viel zu tun!

Das Portal Entwicklungspolitik Online berichtete über das Fachgespräch. Den Artikel finden Sie hier.