Kommentar von Opportunity-Spender Julian Döhnert: Ohne Bildung ist alles nichts
Der Opportunity-Spender Julian Döhnert beschreibt in diesem Kommentar seine Eindrücke aus Indien und den Philippinen.
![]() Trustbank aus Chennai bei der Unterweisung zu Kinderkrankheiten |
Es ist immer wieder erstaunlich, wie Mikrofinanzierungsaktivitäten in den Medien beliebig gefärbt werden können. Dieses beliebte Instrument der Entwicklungshilfe habe ich für zwei Wochen in Asien kennenlernen können: Eine Woche in Indien und eine Woche auf den Philippinen. Dabei ist mir klar geworden, warum der Betrachter es so unterschiedlich wahrnehmen kann. Zunächst einmal möchte ich auf drei Grundhaltungen eingehen, die in diesem Zusammenhang bei den Kreditnehmern anzutreffen sind:
- Fall 1 - Menschen wollen verändern, aber Kapital und Wissen fehlen
- Fall 2 - Menschen wollen & dürfen verändern, aber Wissen fehlt
- Fall 3 - Menschen wollen, dürfen & können verändern, d. h. sie haben Kapital und nötiges Wissen beisammen.
Fall 1: Alles zu geben, um etwas zu verändern, ist in den Entwicklungsländern ziemlich ausgeprägt und könnte unserer unzufriedenen Lebenseinstellung in Deutschland ruhig mal als Vorbild dienen. Den Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen ist hier größter Wunsch und Antreiber. Als ungebildete Arbeitskraft gibt's kaum Anstellungen und für die Selbstständigkeit fehlt es den Menschen an Geld, um die nötigen Materialien oder Waren zum Verarbeiten und Handeln zu kaufen. Vielen dieser Menschen fehlt aber auch jegliches Wissen zu Geschäftsrisiken wie Fremdkapitaleinsatz, Arbeitskraftausfall und Ernteschäden.
Fall 2: Bekommen diese willigen Menschen nun einen Startkredit dürfen bzw. müssen sie in der vereinbarten Zeit eine Veränderung erwirkt haben, um Kredit samt Zinsen zurückbezahlen zu können. Menschen ohne Wissen zum ordnungsgemäßen Umgang mit geliehenem Kapital verwenden dieses Geld gerne um die Notwendigkeiten der Angehörigen anzugehen anstatt einen Mehrwert zu schaffen. Sie werden dann gezwungen sein mit einem Kredit den anderen Kredit zu tilgen.
Fall 3 ist der Wunsch der Kreditnehmer und das Ziel menschlicher Kreditverleiher. Der Kreditverleiher gibt neben dem Kapital wesentliche Trainings, die den Kreditnehmer vor Überschuldung schützen und ihn in seinen neuen Aufgaben als Unternehmer schulen.
Die unterschiedlichen Färbungen kommen nun deshalb zustande, weil Medien sich gerne um die reißerischen Fälle des Typ 2 kümmern. Handelnde sind hier vorwiegend reguläre Banken und private Fonds, die kurzfristige Gewinnabsichten und nicht den Menschen im Blick haben. Statt der ersehnten Eigenständigkeit kommt es zu Zwangshandlungen wie Prostitution oder Selbstmord. Fälle des Typ 3 sind medial unspektakulär. Sie finden im Kleinen statt, knallen nicht, verändern das Herz. Handelnde sind hier Organisationen mit Verantwortung für den Menschen, die neben der Kreditvergabe auch Versicherungs- und Sparangebote machen, aber vor allem auf solide Ausbildung setzen.
![]() Julian Döhnert zusammen mit zwei Trustbanks
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In Deutschland gibt es eine Schulpflicht, die wir mehr oder weniger schätzen. Wie essentiell Ausbildung für eine Gesellschaft ist, habe ich beim Kennenlernen dieser Arbeiten erfahren. Wissen schafft Selbstwert, lässt Zusammenhänge beurteilen und gibt Schutz. Die Zielgruppen der Mikrofinanzaktivitäten sind ohne Bildung groß geworden und müssen jetzt auf einen Schlag mit der Kreditaufnahme unternehmerisches Können beweisen.
Dieser Schritt ist gewaltig und kann nur mit professionellem Coaching gemeistert werden. Das Wissen um den Umgang mit den „anvertrauten Pfunden" setzt die Grenzen für den Erfolg. Deshalb muss alles daran gelegt werden, dass die nächste Generation gesund wächst, d. h. gute Schul- und Ausbildung genießen kann, bevor sie unternehmerische Verantwortung tragen muss.
Nach meinen Erfahrungen muss die Förderung zur Selbstbefähigung einmal auf Kinder bzw. junge Erwachsene und einmal auf Erwachsene zeitgleich abgestimmt werden. Während die Eltern durch Mikrokredite und Trainings sich voll für ihr kleines Geschäft einsetzen, müssen parallel die Kinder Ausbildung genießen können. Dies ist in vielen Mikrofinanzfällen leider nur begrenzt der Fall. So müssen viele Kinder ihre Ausbildung abbrechen, weil die Einnahmen nicht mehr ausreichen oder Geschwister konnten gar keine Bildung genießen. Damit sind die Hoffnungen „die nächste Generation kann es anders haben" schnell zunichte.
![]() Kinder einer Gemeinde aus Nampicuan (Südphilippinen), denenmit dem Mikrofinanzausbildungsprogramm
die Arbeit auf dem
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Das Modell, das mich in diesem Zusammenhang am meisten beeindruckt hat, habe ich bei der Opportunity-Partnerorganisation ASKI auf den Philippinen kennengelernt. Hier ist ein staatlich anerkanntes Ausbildungs- programm geschaffen worden, in dem die Arbeitsweisen der Mikrofinanz- organisation geschult werden. Teilnehmer sollen Familienangehörige aus den ländlichen Gemeinden sein, die bereits erste Erfahrungen mit der Mikrofinanzarbeit gemacht haben und sich für diese Arbeit qualifizieren wollen. Ähnliche Programme führt Opportunity bereits in Indien (Community-Colleges) und Ghana (YAP) durch. Daran sind für mich drei Dinge ganz bedeutsam:
- Parallelisierung der Ausbildung: Die jungen Menschen müssen nicht abwarten, wie sich die Geschäfte der Eltern entwickeln
- Jobwahlfreiheit: Die staatliche Anerkennung macht die Absolventen unabhängig
- Multiplikationseffekt: Die jungen Menschen setzen sich selbst für die Geschäftsfähigkeit der älteren Generation ein - der Armutskreislauf ist durchbrochen
Die Einblicke zeigen sehr schön: Bildung ist nicht alles, aber ohne Bildung ist alles nichts.
Diese Erfahrungen haben meine Einstellung zu vielen Dingen im Leben verändert. Ich bin dankbar, dass Opportunity International die Menschen im Blick hat, die wollen, aber nicht können. Opportunity befähigt diese Menschen und arbeitet mit professionellen Partnern zusammen, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Das gibt diesen Menschen ihre aufrechte Haltung in Ehe, Familie und Gesellschaft zurück. Diesen Einblick zu bekommen hat mir die Augen geöffnet für eine Welt, die auf den ersten Blick so anders zu sein scheint, dann aber doch so viele Parallelen zur eigenen aufzeichnet. Man ist eben selbst auch ganz Mensch.











