„Financial Inclusion“ – Finanzdienstleistungen für alle!
Zweifelsohne ist die Geschichte des Mikrokredits eine der größten Erfolgsgeschichten der Entwicklungszusammenarbeit. Allein Opportunity International konnte bereits mehr als 2,2 Millionen Menschen weltweit erreichen und sie mitsamt ihren Familien und Gemeinden auf dem Weg aus der Armut unterstützen. Nach wie vor aber hat gut die Hälfte der Weltbevölkerung im Arbeitsalter, also etwa 2,5 Milliarden Menschen, auch heute noch keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen. Am stärksten betroffen davon sind die Länder Afrikas südlich der Sahara, wo rund 80 Prozent der Bevölkerung auf Versicherungen und Kredite verzichten und ihre Ersparnisse in ihren Behausungen aufbewahren müssen. Doch auch in weiten Teilen Asiens, Lateinamerikas und des Mittleren Ostens ist der Zugang zu Finanzdienstleistungen keine Selbstverständlichkeit.

Oft wird außer Acht gelassen, dass der Begriff der Mikrofinanz weitaus mehr umfasst als nur die Vergabe von Kleinstkrediten. Diese sind in erster Linie zur Unterstützung unternehmerisch aktiver Menschen gedacht - jedoch ist nicht jeder zum Unternehmer geeignet und eine Kreditaufnahme hat für mittellose Menschen oft nicht einmal die höchste Priorität. So gehören ebenso die Bereitstellung von Sparkonten, das Abschließen von Versicherungen und die Möglichkeit, Überweisungen zu tätigen, zur Mikrofinanz. Auch die Vereinten Nationen haben sich dieses Themas angenommen und fördern unter dem Begriff der „Financial Inclusion", in etwa „Finanzielle Eingliederung", die Verbreitung von Finanzdienstleistungen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Wie aber genau kann dieses Vorhaben realisiert werden? Zwei Möglichkeiten der Umsetzung nimmt die Unternehmensberatung McKinsey & Company in der Studie „Global Financial Inclusion" unter die Lupe: Das „Correspondent Banking" und das „Mobiltelefon-Banking".
Besonders die Bewohner ländlicher Gegenden haben es schwer, den Zugang zu Kredit- und Sparmöglichkeiten zu finden. Aufgrund der hohen Kosten gibt es außerhalb städtischer Regionen kaum mehr einen Geldautomaten, geschweige denn eine eigene Bankfiliale. Abhilfe schafft das Correspondent Banking, bei welchem Finanzdienstleistungen über Kioske, Tankstellen, Postämter oder ähnliches vertrieben werden. Das ist wesentlich günstiger als die Bereitstellung eigener Filialen, und schafft so für Geldinstitute und Mikrofinanzinstitutionen den Anreiz, auch an abgelegenen Orten Sparkonten oder Kredite anzubieten. In Teilen Lateinamerikas, besonders in Brasilien und Mexiko, ist das Konzept bereits sehr erfolgreich umgesetzt worden und ermöglicht es, Angebote der Mikrofinanz noch mehr Menschen zugänglich zu machen.

Auch mithilfe des Mobiltelefon-Bankings werden besonders Landbewohner erreicht, die weite Strecken bis zur nächsten Bank zurücklegen müssten: Üblicherweise gibt es selbst in Schwellenländern nur eine Bankfiliale und einen Geldautomaten für 10.000 Menschen - jedoch ganze 5.100 Mobiltelefone. Diesen Umstand macht man sich in einigen Ländern zunutze und ermöglicht der Bevölkerung zum Beispiel Überweisungen über ihr Mobiltelefon abzuwickeln oder ihren Kontostand per SMS abzurufen. Offenbar kommt die Idee gut an: Allein von 2010 bis 2011 verdreifachte sich die Anzahl der Mobiltelefon-Banking-Nutzer in Kenia. Auch in China und Brasilien wuchsen die Zahlen über das Doppelte ihres Ausgangswertes.
Opportunity bietet derzeit den Klienten in Malawi und Tansania, Transaktionen mit ihren Mobiltelefonen vorzunehmen. So wird nicht nur dem einzelnen Klienten und seiner unmittelbaren Umgebung geholfen - auch rückt das Ziel der „Financial Inclusion" mit jedem vergebenen Kredit, jedem angelegten Sparkonto und jeder Mikroversicherung ein Stückchen näher.








