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Fachgespräch in Berlin: Ist die Kritik an der Mikrofinanz berechtigt?

In den letzten Jahren ist die vor kurzem noch heilige Kuh der Entwicklungspolitik, Mikrokredite, in die Kritik geraten. Berichte über die Kommerzialisierung der Branche, die Klienten bis in den Selbstmord treibt, und Zweifel an der Effektivität dieser Methode nagen am Image der Mikrofinanz. Diese Entwicklungen nahmen namhafte Experten zum Anlass am 5. Juli im GIZ-Haus in Berlin zu einer Diskussionsrunde zusammenzutreten. Thema des Abends: Hält Mikrofinanz, was sie verspricht?

Natürlich seien Mikrokredite kein Allheilmittel gegen die Armut in der Welt, bestätigt Susanne Dorasil vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Allerdings sind noch immer 2,7 Milliarden Menschen ohne Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen. Ohne diesen Zugang sind die Aussichten auf eine Verbesserung der Lebensumstände praktisch gleich null.

S. Dorasil
S. Dorasil vom BMZ in der Diskussion beim
Fachgespräch in Berlin

Jedoch hilft nicht jedes Finanzprodukt gleich gut. Der soziale Kontext, in dem Mikrokredite vergeben werden, darf nicht außer Acht gelassen werden. Deshalb tritt Wolfgang Bücker von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) für einen verbesserten Schutz der Klienten ein. „Eine der Herausforderungen, vor denen wir stehen, ist die Regulierung der Banken und insbesondere die Aufsicht der Finanzinstitutionen", so Bücker.

Opportunity-Vorstand Stefan Knüppel betonte, der Klient und seine Bedürfnisse müssten stärker in den Mittelpunkt gestellt werden. Deswegen seien weitergehende Angebote wie Schulungen, mobile Banken oder auch Vertriebsgenossenschaften wichtig. „Das ist teuer und aufwendig. Viele Anbieter können sich das nicht leisten", erklärte Stefan Knüppel.

Mit der Unterstützung durch Spenden könne  Opportunity einen ganzheitlichen Ansatz bieten. Dies zeige auch eine aktuelle Wirkungsstudie aus Malawi „89 Prozent unserer Klienten berichten, dass sich ihre Lebensqualität innerhalb eines Jahres verbessert hat. Dies ist unsere wichtigste Benchmark."

Den kompletten Mitschnitt des Fachgesprächs können Sie sich hier als Audiodatei herunterladen.

Bilder: Thomas Ecke