Das erste Treffen mit einer Kreditnehmergruppe aus Uganda
Ein Bericht von Opportunity-Unterstützer Bruce aus San Francisco.
Der Tag begann früh am morgen. Auf dem Tagesprogramm stand ein Treffen mit einer Kreditnehmergruppe in Kampala, Uganda. Wir schlängeln uns durch das hektische Treiben dieser pulsierenden Hauptstadt, vorbei am geordneten Chaos der halbinformellen Geschäfte und vorbei an den zahlreichen Straßenverkäufern. Schon morgens ist es heiß, die Luft ist trocken und rot gefärbter Staub fegt über den Marktplatz. Die Stände sind umhüllt von kräftigem Geruch aus den Garküchen und von Abgasen der vorbeirauschenden boda bodas - wie die kleinen Motortaxis in Uganda genannt werden.
Wir nähern uns dem Ziel: Ein kleines Haus bedeckt mit einem Holzdach gefertigt aus vier breiten Ästen und einem rostigen Wellblechdach, das wohl schon seit dem Bau des Fundaments als Überdachung dient. Uns wird eine Sitzgelegenheit angeboten, die nicht für unsere Statur ausgelegt ist. Dennoch schlagen wir dieses Angebot nicht aus, sondern setzen uns hin.
Nach einigen Minuten treffen die Teilnehmer der Versammlung ein, sie begutachten uns zunächst und entgegnen uns sogleich mit einem freundlichen Lächeln. Wir stellen uns der Kreditnehmergruppe vor und die im schönsten Sonntagsdress bekleideten Gruppenmitglieder schrecken auch nicht vor neugierigen Fragen zurück.
![]() Ein Mitglied der Kreditnehmergruppe bei der Zusammen-
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Der Leiter der Kreditnehmergruppe eröffnet die Sitzung. Er ist mit einer Körpergröße von knapp 1,50 m und ein paar fehlenden Zähnen zwar recht unscheinbar. Dennoch merkt man sofort, dass er seine Gruppe unter Kontrolle hat und das Treffen der Klienten wohlüberlegt mit Leben füllt. In seinem wettergegerbten Gesicht erkennt man sein intuitives Talent, eine Vision an seine Zuhörer weitergeben zu können und seine Fähigkeit, andere Menschen anzuleiten. Ein Mitglied der Gruppe steht auf mit einem kleinen Notizbuch in der Hand und trägt das Resümee des vergangenen Treffens vor. Jeder nickt und man geht über in den nächsten Punkt der Agenda des Tages: die Rückzahlung der vergebenen Kredite, zu der jedes Mitglied dank des guten Geschäfts im Stande ist.
Daraufhin horchen wir gespannt die Erfolgsgeschichten der einzelnen Teilnehmer, die ihre Freude über das gut laufende Geschäft und ihre strahlende Wertschätzung über die Arbeit und die beratende Unterstützung von Opportunity. Wir hören Geschichten von einer Frau, die einen kleinen Bananenstand betreibt, von einem Mann, der selbstständig als Bananen-Großhändler tätig ist, von einem Inhaber einer Boutique und vielen anderen. Begeistert und überwältigt von der formalen Struktur dieser Gesprächsrunde sitzen wir in unseren Stühlen und lauschen den weiteren Ausführungen des Gruppenleiters. Dessen Geschichte beginnt mit einem kleinen Schuhputzstand, den er mit Hilfe eines Mikrokredits zu einem kleinen Schuhladen ausbaute. Jedem seiner sieben Kinder konnte er eine gute Bildung gewährleisten - mittlerweile arbeiten drei von ihnen in der Politik und die anderen Vier besuchten ebenfalls die Universität. Er strahlt wie der Polarstern, wenn er seine Erfolgsgeschichte und voller Stolz von seinen Kindern erzählt.
Als nächstes fährt man mit der Diskussion über älteres Geschäftsgebaren fort, beginnend mit einer Evaluierung des Notfallsfonds, der eingerichtet wurde, um eine Art Versicherung für einen eventuellen Kreditausfall zu haben. Danach geht die Kreditnehmergruppe über in ihr aktuelles Projekt des sog. boda boda-Motorrads für Kuriertätigkeiten, das für die Gruppe zwar ein neues Risiko, aber auch eine weitere Einkommensquelle darstellen würde. Im Anschluss eröffnet ein Teilnehmer die Diskussion über ein eigenes Haus in den Opportunity-Farben für die Gruppe, um das Treffen auf sicherem Terrain durchführen zu können und eine Investition für die Zukunft zu haben. Weiter kommt sein Ideengeist einem Marketing-Manager gleich, den jeder CEO mit offenen Armen empfangen würde: Er schlägt den Gruppenmitgliedern vor, ein eigenes Design für T-Shirts und eine eigene Marke zu erstellen, durch die ihre Kreditnehmergruppe repräsentiert werden solle.
Diesem Treffen beisitzen zu dürfen ist eine einzigartige Erfahrung, das Augen öffnet und zum Nachdenken anregt. Denn die Diskussionen und die gesamte Organisation und Durchführung dieser Veranstaltung ist qualitativ dermaßen hochwertig, dass sie einem universitären Dialog in nichts nachstand. Man kann in den Gesichtern der Teilnehmer regelrecht erkennen, dass sie wissen was sie tun müssen, um erfolgreich zu sein. Es ist nur dem Schicksal geschuldet, dass diese Menschen an einem Ort geboren wurden, an dem sie eine schwierigere Ausgangsposition haben und an dem viele Möglichkeiten einfach fehlen. Dank dieses Insight-Trips kann ich nun erfahren, wie es vielen Menschen in den ärmeren Regionen der Welt ergeht und komme zu dem Ergebnis, dass diesen Menschen schlichtweg die Möglichkeit gegeben werden muss, sich selbst zu entfalten.









